Nachtfahrt im Bus von Medellin nach Porvenir, nahe Cobeñas, ca. 100 km südlich von Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste; der Busfahrer des Überlandbuses hatte uns morgens um halb sieben leider etwas zu früh rausgeschmissen, wir mussten also noch ein paar Kilometer mit anderen Verkehrsmitteln weiterkommen. Aber Colectivo (Minibus, der die Leute an der Straße einsammelt) zu fahren ist ja immer ganz spannend. Die Besitzer wollen wenigstens ein bissl was verdienen und stopfen den kleinen Bus dann immer kompletti voll, bunt gemischt: Bauern mit Gemüsesäcken und dicke Mamas mit Flip-Flops, aber auch Geschäftsleute in etwas vornehmerer Kleidung und ab und zu eben auch mal Touristen wie wir. Da ist dann also nichts mit aufrecht sitzen oder Beine ausstrecken (Basketballspieler: Besser Taxi nehmen).

Wie dem auch sei, wir kamen gut am Ziel an und trafen durch Zufall direkt die Besitzer des Grundstücks, wo uns Freunde empfohlen hatten, dass wir dort gut und günstig zelten könnten, alles privat und etwas provisorisch, aber nett. Bis auf den tooonnenschweren Ast, der zum Glück neben unser Zelt vom Baum gefallen ist, und die Regenmassen, die durch unser einfaches Zelt reingeflossen sind, wars optimal.

Porvenir vor dem Zelt

Nach dem Zeltaufbau und einem entspannten Frühstück mit den Früchten direkt von den Bäumen um uns rum, testeten wir dann gleich den Strand, der ein paar Fußminuten entfernt liegt. Wie ihr seht, waren wir nicht die einzigen, die den Strandtag genießen wollten (*oink*).

Schweine am Strand

Aber mit vielen Touristen mussten wir die schönen Buchten hier wirklich nicht teilen. Die Tage am Strand waren also “sau”-entspannt (hohoh) und ich glaube, dass ich noch nie in so heißem Meerwasser gebadet habe, mindestens so heiß wie das verpingelte Babybecken unseres Hallenbads. Man konnte also ohne Probleme stundenlang baden. Normalerweise ist Ins-Wasser-gehen ja schon so ein bissl ne Qual … vor allem der Moment, wenn das kalte See- oder Meerwasser sich langsam die bis dahin trockenen warmen Shorts hocharbeitet (uhhhhhhh …), aber stop, genug Mädeligkeit preisgegeben, weiter im Text. Auch am Abend wars hübsch und noch superheiß.

Abend am Strand in Porvenir

Einen Tag machten wir einen Ausflug auf die Islas de San Bernardo, ein kleines Archipel einige Kilometer vor der Küste. Zur Inselgruppe gehört eine der dichtbevölkertsten Inseln der Welt und einige wunderschöne Sandstrand-Palmen-Inseln zum Entspannen und Schnorcheln.

Islas de San Bernardo

Auch Flamingos gabs auf einer Insel, deren Namen ich vergessen habe und auf der wir auch Delphine und Haie gesehen haben. Weiß eigentlich jemand, warum Flamingos so gerne und oft auf einem Bein stehen, dann sende mir bitte einen Kommentar, danke!

Flamingos

Nebenher hab ich übrigens noch nen großen Hai gefangen, bewaffnet lediglich mit einer einfachen Harpune und geschützt durch einen stabilen Tauchhelm, damit mir der Hai nicht den Kopf abbeißen konnte.

Stefan der Haifänger

Genug der Heldentaten. Muss schlafen gehen.

Andre schrieb kürzlich über eine interessante Dokumentation über Fernsehen in Kolumbien.

Ich habe den Beitrag angeschaut, als ich gerade für einige Zeit in Medellin war und ich dachte mir “Upps, das darfst du deinen Eltern nicht zeigen, sonst schicken die dir gleich einen Rettungstrupp aus dem tödlich gefährlichen Kolumbien!”.

Also das was beim Anschauen der Sendung über Kolumbien unterm Strich hängenbleibt, ist leider das gleiche wie immer. Gewalt und Bürgerkrieg etc. Da ist jedoch irgendwie immer ein anderes Gefühl bei mir, wenn ich vor Ort bin und das können sicher viele bestätigen (ich bin natürlich auch nicht in Krisenregionen).

Aber vielleicht sagt der Beitrag auch mehr etwas über die Macher als über das dargestellte Land aus? Klischees bestätigende Infos finden eben einfacheren Zugang in die Köpfe von uns Europäern, oder? Vielleicht besteht da von Seiten der Macher die Angst, den Zuschauer zu überfordern, wenn dieser plötzlich Kolumbien nicht mehr ganz einfach und schnell mit wenigen Schlagworten (z.B. Drogen, Entführungen) in die Kategorie “böse und gefährlich” packen kann, sondern plötzlich eine positive Dimension (Schlagworte Lebensfreude, Herzlichkeit, etc.) hinzukommt …

Wie dem auch sei - wem es möglich ist, der kann sich natürlich durch eine Reise selbst ein Bild machen. Und ich bin überzeugt, dass es die allerwenigsten bereuen würden.

Am letzten Tag gab es nochmal ein “9er-Frühstück” bei Rene, Riesenobstschale mit frischen Früchten, heiße Schokolade, selbstgemachtes Brot, selbstgemachtes Joghurt … hm, superrico …

Frühstück San Agustin

Und dann warteten auch schon die Pferde auf uns und es ging quasi im Galopp (da wir nur noch zwei Stunden hatten) zur Chaquíra, eine Felsengruppe mit in den Fels gehauenen Figuren. Das Beeindruckende ist, dass man mehr oder weniger alleine ist. Man kommt nur auf dem Rücken der Pferde oder zu Fuß dorthin und es gibt keine Artesania- oder Essensstände. Man blickt auf eine sich ewig ausbreitende Schlucht mit Wasserfällen und Grün in allen Tönen. Majestätisch schweben ein paar Geier über dem Tal und schier irreal weit entfernt von einem fließt der Rio Magdalena unter einem durch das Tal.

Chaquira - San Agustin

Hier konnten wir noch etwas Kraft tanken und die unfassbare Größe auf uns wirken lassen. Leider wieder bei Nieselregen, aber in solch einer Umgebung ist das unbedeutend.

Dann schwangen wir uns wieder auf die Pferde und es ging zurück durch den knöcheltiefen Morast, den wir zum Glück nicht selbst durchwaten mussten.

Chaquira - San Agustin

Mit den von Pferdehufen aufgewühlten Schlammspritzern gezeichnet ging es nach unserer letzten Aktion innerhalb von 15 Stunden mit verschiedenen Bussen zurück nach Medellin.

Unsere vielfältige Tour in die Umgebung von San Agustin begann morgens um neun mit dem gefährlich rutschigen Abstieg (den wir glücklich überstanden) von Renés Finca zur Hauptstraße, wo uns der Jeep schon erwartete.

San Agustin - Abstieg von El Maco

Im Jeep trafen wir (der Ire Steve und wir beide) auf den Franzosen Fabien und die Irin Emma und so ging es dann zu fünft hinten im Jeep die nächsten acht Stunden durch die herrliche Gegend.

San Agustin - Jeep Tour

Unsere Tour sollte uns über die engste Stelle des Rio Magdalena, an beeindruckenden Wasserfällen vorbei und zu weiteren Grabstätten führen.

San Agustin - Ruta Arqueologico

Der nach der Tagesheiligen am Tage seiner Entdeckung benannte Rio Magdalena - einer der wichtigsten und größten Flüsse Kolumbiens - ist an seiner schmalsten Stelle nur 2,20 Meter breit - also eigentlich glatt überspringbar. Wir habens bei der reißenden Strömung trotzdem mal sein lassen.

Estrecho del Rio Magdalena

Am Alto de Los Idolos bestaunten wir neben weiteren Grabfiguren tonnenschwere Grabdeckel in Krokodilform - oder ist das vielleicht die Vorlage für den Glücksdrachen Fuchur der unendlichen Geschichte gewesen?

Alto de Los Idolos

Die schöne Landschaft mit Kaffeepflanzen und Guayaba-Bäumen erinnerte fast ein bissl an an schwäbische Obstwiesen.

Alto de Los Idolos

Und auch hier gab es Gräber und die zugehörigen Grabwächter, zu denen wir uns freundschaftlich dazugesellten.

Park Alto de Los Idolos

Aus diesem Park sollte der hochwüchsige Ire Steve auch noch eine kleine Erinnerung fürs Leben mitnehmen, als er sich beim Bewundern der überdachten Grabstätten einmal zu wenig duckte und sich so am Dachbalken eine Platzwunde an der Stirn zuzog, deren Blutungen wir zunächst mit Klopapier (das hat man ja in Südamerika meistens dabei) notdürftig stoppen konnten.
Während wir anderen dann in Isnos gemütlich zu Mittag aßen, lernte Steve das centro de salud (Krankenstation) kennen, wo seine Wunde mit zwei Stichen genäht wurde.

Isnos - Mittagessen

Danach ging es weiter zum ersten großen Wasserfall, dem Salto de Bordones. Der Fluss schlängelt sich hier kilometerweit durch das grüne Tal.

Am Salto de Bordones

Und weiter gings zum Alto de Las Piedras. Nicht schwierig zu erraten, was wir dort sehen konnten.

Alto de Las Piedras

Letzte Station war der Salto del Mortino, ein weiterer traumhafter Wasserfall in dieser Region, die in Bezug auf die Wasservorräte zu den wichtigsten des Landes gehört.

Salto del Mortino

Danach ging es zurück, leider wieder mit einstündiger Zwangspause an der gleichen Stelle wie zwei Tage zuvor, aber dieses Mal wussten wir ja bereits bestens, wo wir in San Agustin hin mussten.

Die Fahrt von Popayan nach San Agustin (etwa 120 km) dauert aufgrund der schlechten Straße immer mindestens fünf, bei uns waren es dann aber über acht Stunden! Das lag u.a. am schier ununterbrochenen Regen, an Reifenpannen, Erdrutschen und Straßenbauarbeiten (ey ey ey).

Straßenbauarbeiten kurz vor San Agustin

Trotzdem kämpften wir uns dann noch kurz vor Einbruch tiefer Dunkelheit ein paar hundert Meter von San Agustin entfernt in unseren inadäquaten Halbschühchen den schlammig glitschigen Pfad zur Finca Renes - El Maco - bergauf. Der empfing uns auch herzlich mit von Paloma zubereiteten Spaghetti und dabei lernten wir sogar noch gleich sein frischgeborenes Töchterlein kennen.

Nach einer Nacht mit abgefahrenen Träumen (es lag sicher nicht nur an der Katze im Bett) gings am nächsten Tag bei Nieselregen in den Archäologischen Park, wo wir schnell steinerne Freunde fanden.

Archäologischer Park San Agustin

Archäologischer Park San Agustin

Bis heute gibt es viele Theorien aber wenige Fakten über die rätselhafte Hochkultur von San Agustin, die von 3.300 v.Chr. bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert in der Region lebte und dort ihre Spuren hinterlassen haben, vor allem in Form von Steingräbern und beeindruckenden menschlichen und tierischen Steinfiguren.

Archäologischer Park San Agustin

Interessant ist, dass viele Eigenschaften der dargestellten Tiere und Menschen von anderen Erdkreisen wie Afrika oder Asien beeinflusst scheinen, so die Schlitzaugen oder die breiten Nasen. Es könnte sein, dass San Agustin Handelsbeziehungen zu weit entfernten Regionen pflegte, es könnte auch sein, dass die Schamanen von San Agustin, die Impressionen von ihren transzendentale Reisen mitbrachten. Wer weiß, wer weiß …

Unsere zweite Station war Coconuco, mit 2.500 m etwas höher gelegen und auch kälter als Popayan. Trotzdem waren wir zum Baden dort, denn es gibt dort heiße Quellen.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Da es nur eine dreiviertel Stunde von Popayan entfernt ist und man dort direkt zelten kann, besuchen am Wochenende zahlreiche Menschen die Anlage Agua Tibias mit mehreren Becken, Wasserrutsche und Wiesenflächen zum Entspannen.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Auch wir haben es uns im warmen Wasser gemütlich gemacht.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Wie schon erwähnt gibt es auch eine Wasserrutsche (ob die beim TÜV durchgehen würde? Ey ey ey …), die ich dann auch mal in Wahnsinnsgeschwindigkeit auf einem Fußabtreter mit einem ebenfalls todesmutigen Kumpanen im Zweierbob runtergerutscht bin (hao hao).

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Zur Abwechslung gab es im Anschluss eine einfühlsame Wasserballett-Vorstellung vom Schwanensee von Onkel Fernando.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Einen neuen Modetrend haben wir auch ausmachen können. Die ohnehin schon knappe Badehose einfach noch in die Arschfalte hochziehen … übrigens könnt ihr euch freuen, dass ich den Buben nicht von vorne fotografiert habe (grrr, Spitzname wörtlich - fall-out-boy … oink).

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Als der Mond dann so langsam über den Hügeln aufging, wars Zeit, uns auf den Heimweg zu machen.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

« Previous PageNext Page »