Seit Wochen und Monaten waren wir ziemlich intensiv mit dem Relaunch der Webseiten von viventura beschäftigt, vor allem Andre (Koordinator), Anke (Designerin) und natürlich das Super-Proggi-Team, ohne das gar nichts gelaufen wär. Und heute wars endlich so weit!

www.viventura.de - Relaunch

Um 15:30 kolumbianischer Zeit ist viventura.de also in neuem Gewand online gegangen (schaut die genialen Reiserouten und die großen beeindruckenden Fotos mal an) und damit auch gleich das Adventsgewinnspiel, bei dem ihr übrigens wieder eine Reise gewinnen könnt (vgl. www.viventura.de/gewinnspiel). Andre hatte alle 70 tausend viMember im Skype versammelt, so dass ich beim Online-Stellen (Umstellung der Domain, der Php-Version, Server-Ziele, Umleitungen, etc.) ganz gut ins Schwitzen gekommen bin, weil alle auf mich gewartet haben. Aber es hat geklappt … und daher haben wir auch ein bisschen gefeiert.

Feiern

Allerdings mussten Andre und Anke heute abend noch weiter nach Bogota, so dass nicht viel Zeit zum Feiern geblieben ist. Nachdem Philippe schon heute morgen los war, ist jetzt das Medellin Büro wieder fast ausgestorben. Ich werde mir erst mal Ruhe gönnen jetzt. Eeeeendlich (und mal schauen, was da in den nächsten Tagen noch an Folgeaufgaben auf uns zukommt…).

Im Rahmen der Coca-Cola Soundwave Initiative spielten am 2. und 3. Oktober junge Nachwuchsbands und ein paar alte Hasen bei einem riesigen Tag-der-Einheit-Fest direkt am Brandenburger Tor. Beim einen oder anderen kam da durchaus WM2006 Feeling auf. Ich - als Benz-Town-Sprechgesangs-Freund - wollte natürlich zu den Fantastischen 4, die als Abschluss am Mittwoch spielten.

Fanta4 in Berlin

Nachdem man vorne am Brandenburger Tor nicht mehr durchgelassen wurde, musste man erstmal 10 Kilometer am provisorischen Bauzaun entlang gehen, bis man dann hinten reinkonnte. Genau zum richtigen Zeitpunkt - als ich mich dann wieder vorgearbeitet hatte - gings los.

Fanta4 in Berlin

Michi Beck, Smudo und Thomas D waren lustig drauf und es machte ihnen sichtlich Spaß vor so vielen gut draufen (oder gut drauf seienden, hm, wie sagt man da?) Leuten zu spielen. And.Ypsilon, der mit seiner Mission Ypsilon das Konzert eröffnete, und der Rest der Band taten natürlich ihr übriges dazu, so dass die Menge auch zum springen und die steiferen Zuhörer zumindest zum locker mitnicken kam. Die Mischung war super, viel alter cooler Scheiß (Picknicker, Mfg, Tag am Meer, Was geht, Krieger, Populär, …) und ein paar geile neue Sachen.

Ach übrigens, wer Fanta4-Fan ist, dem kann ich die zwei folgenden Videos empfehlen :-)

Miss Dissed Fanta 4 - Part I

Miss Dissed Fanta 4 - Part II

Nach einem lustigen Abend mit 710 tausend Betrunkenen aufm Oktoberfest war die Ruhe der Berge ein willkommenes Kontrastprogramm. Schon gleich gar, wenn die Wettervorhersage derart scheiße ist, dass sich kein anderer in die Berge traut.
Beim Aufstieg zum Spitzingsee (von Neuhaus beim Schliersee) hatten wir dann Glück - kein Regen, nur ein bissl Nebel, genau so dann bei der Ankunft am Rotwand-Haus, unserem Nachtquartier.

Rotwand-Haus im Nebel

Nach einer heißen Schokolade, einem Süppchen und nem bissl Schlaf aufm Tisch in der Gaststube hat das Wetter dann aber noch radikal umgeschlagen (das Wetter kann halt ziemlich schnell umschlagen im Gebirge …). Zum Sonnenuntergang hab ich mich also noch zum Mini-Aufstieg auf die Rotwand aufgerafft. Das Haus plötzlich nicht mehr im Nebel, sondern im Sonnenlicht, von goldenen Wiesen umsäumt.

Rotwand-Haus in der Abendsonne

Oben am Gipfelkreuz konnte ich dann alleine die geniale Abendstimmung genießen. Auf der einen Seite Sonnenuntergang, auf der anderen Mondaufgang. Ich glaub anhand der folgenden Bilder kann man schon erahnen, dass so etwas extrem geil sein kann.

Rotwand

Beweisfoto: Stefan oben auf der Rotwand.

Stefan auf der Rotwand

Wolkenmeer wie ausm Flugzeug.

Rotwand

Und Mondaufgang … Vollmond.

Mondaufgang

Und am nächsten Morgen hatte das Wetter schon wieder umgeschlagen. Geil. Schnee.

Rotwand-Haus im Schnee

So sind wir dann also durch die verschneiten Berge wieder zum Auto zurückgewandert.

Wandern im Schnee

Aus einer ziemlich schwachen Prognose haben wir also noch ganz gut was rausgeholt…

Am Samstag in der Früh bei Sonnenaufgang gings ab nach Oberstdorf. Wo sich andere mit der Gondel hochtragen lassen, stellten wir schon mal unsere Fitness auf die Probe. Durch herbstlich bunten Wald gings erstmal gut 1000 m in die Höhe.

Herbststimmung

Dass der Wetterbericht ein bissl zu viel Sonne versprochen hatte, merkten wir bei unserer ersten Rast am Seealpsee. Wir waren froh um jede Kleiderschicht, die uns vor dem winterlich kalten Bergwind schützte.

Am Seealpsee

Nachden wir weitere x-tausend Höhenmeter überwunden hatten (wow), kamen wir dann ans zunächst noch wolkenverhangene Prinz Luitpold Haus (auf 1846 m). Da waren wir dann auch nicht die einzigen Wochenendwanderer.

Prinz-Luitpold-Haus

Nach Kässpätzle und Kaiserschmarrn konnten wir noch einen Wahnsinnssonnenuntergang über einem unendlichen Nebelmeer genießen.

Sonnenuntergang am Prinz-Luitpold-Haus

Und - man glaubts kaum - bereits um 9 Uhr waren wir in der Koje (die Bergluft machts möglich), ein Sardinen-Matratzenlager mit etwa 40.000 Leuten pro Schlafsaal. Die letzte Übernachtung in diesem Stil hatte ich vor 10 Jahren.

Bettenlager

Am nächsten Morgen frühstückten wir zum Wahnsinnssonnenaufgang auf der Terasse, bevor wir uns dann wieder auf den Weg zurück in die Zivilisation machten.

Frühstück am Prinz-Luitpold-Haus

Der zweite Tag war denn auch so sonnig wie vorausgesagt, der Rundumblick beeindruckend.

Panorama-Blick

Und - nachdem wir am ersten Tag aufgrund der Wetterbedingungen kaum die Bergketten um uns herum ausmachen konnten - sahen wir am zweiten Tag neben beeindruckendem Bergpanorama auch Bergtiere, etwa ein Rudel steinefressender Gemsen.

Gemsen beim Steine fressen

Das folgende Bild ist meine Antwort auf den Christo von Corcovado.

Stefan aufm Fels

Vor dem Abstieg ins Tal pausierten wir noch am Schrecksee (wahrscheinlich heißt der so, weil sich die Leute dort gern bei 10 Grad kaltem Gebirgswasser abschrecken). Dessen ruhige spiegelnde Wasseroberfläche schrie natürlich geradezu “fotografier mich”.

Am Schrecksee

Hier sprangen auch ein paar Murmeltiere noch fröhlich vor unsere Linsen.

Murmeltier

Auch schier unüberwindbare Schluchten meisterten wir mit der behänden Leichtigkeit von Gemsen.

Stefan beim Jumpen

Und so kamen wir dann auch abends - als die Sonne wieder hinter den Bergen verschwand - wieder ans Auto, mit dem wir unserer verdienten (und nötigen) Dusche entgegenfuhren.

Kurz ein paar Impressionen von der Tour durch Berlin mit New Berlin Tours, die ich jedem ans Herz legen kann, wenn er/sie Interesse an der Geschichte und einigen kurzweiligen Details dieser faszinierenden Stadt hat. Wie immer war auch einiges los in der Stadt, neben dem allgemeinen Trubel gabs Hollywood Dreharbeiten und der Gedenkgottesdienst der in Afghanistan umgekommenen deutschen Soldaten im Berliner Dom.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas (im Volksmund Holocaust-Mahnmal), das in letzter Zeit in den Medien war, weil es schon jetzt erste große Risse aufweist.

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Dreharbeiten zur Verfilmung des Stauffenberg-Attentats mit Tom “Ihr-Scientology-Kritiker-seid-doch-wie-die-Nazis” Cruise.

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Der “Clump of Love”.

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Hmmm, vielleicht mal vom Schokoladen-Reichstag naschen … nur ein kleiner Happen?

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Palast der Republik, inzw. innen hohl und damit eine interessante Kulisse. Was das aber für eine Performance war, weiß ich nicht.

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Abschluss der Tour auf dem Rasen vor dem Berliner Dom mit der Geschichte vom Big Schabowski, dessen mangelnde Informiertheit bei einer Pressekonferenz im November 89 letztendlich zur Grenzöffnung führte.

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Unser nächstes Ziel war Mompóx - nicht ganz so leicht erreichbar wie Medellin oder Cartagena. Von Tolu ging es zunächst weiter im Bus nach Sincelejo, der Hauptstadt des Departamento Sucre. Dort kamen wir um 5 Uhr nachmittags und damit so spät an, dass wir keinen öffentlichen Bus mehr nach Magangué bekamen, von wo aus die Fähre über den Rio Magdalena übersetzt. Aber wir konnten ein Sammeltaxi finden, mit dem wir die vielleicht 80 km(?) für einen zäh ausgehandelten Preis (*puh*) überbrücken konnten. Leider blieben wir auf halber Strecke stecken und durften nach einigen erfolglosen Anschieb-Versuchen auf eine neue Autobatterie warten.

Trotz der Umstände waren wir um halb neun in einem günstigen Hostal in Magangué. Darüber war ich auch ganz glücklich, denn ich hatte diese seltsamen Beschwerden, bei denen man dauernd aufstoßen muss und es nach fauligen Eiern riecht und plötzlich machen alle einen großen Bogen um dich und egal wie viel Kaugummi du kaust, es hilft nichts! ["Uhhhh, musst du wirklich alles erzählen hier?!" - "Ne, warum?" - "Dann streich das lieber raus." - "Ok."]

Wie dem auch sei, morgens waren wir um halb sechs auf den Beinen, um die “Ferry” - die schon seit 450 Jahren hier hin und her schippert - nicht zu verpassen, aber wir hätten auch noch ein Weilchen im Deckenventilator-gekühlten Hostal-Zimmer weiterschlummern können. Denn um sechs wurde erst begonnen, die Fähre zu beladen. Auf dem Weg dorthin mit dem Taxi fuhren wir an einer sicherlich über 200 Meter langen Schlange von LKWs vorbei. Und die sollten alle auf diese Fähre passen.

Fähre nach Mompóx

Fußvolk - wie wir - darf übrigens kostenfrei mitfahren und nachdem wir uns ein Plätzchen gesucht hatten, konnten wir das tetris-artige Einparkspektakel von oben mitverfolgen.

Beladen der Fähre Mompox

Die erste Reihe war schon eingeparkt, kam aber noch eine zweite dazu. Das Licht war schön, haben wir also gleich noch ein paar Fotos gemacht.

Fähre nach Mompóx

Und nachdem schon kaum mehr ein Fleckchen Boden zu sehen war, wurden ganz hinten auf einen Überhang noch Moped- und Motorradfahrer mit Kisten, Eisboxen und Sonnenbrillenpaletten drauf gequetscht.

Fähre nach Mompóx

Der vollbeladene Koloss legte in gemächlichem Tempo ab und benötigte dann auch etwa 40 Minuten für die Strecke nach Bodega, ein Stück den Rio Magdalena rauf und dann einen Seitenarm wieder runter. Die Fährfahrt mit all dem Gedränge und Gewusel an Deck ist auf jeden Fall ein Erlebnis und für Touristen garantiert ein Geheimtipp.

Danach waren wir aber immer noch nicht am Ziel angelangt sondern mussten noch an die 30 Kilometer im Taxi fahren, bevor wir das koloniale Juwel endlich erreichten.

Mompox

Die kleine Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern ist trotz ihres Status als UNESCO-Weltkulturerbe keine Touristen-Hochburg sondern entspannt ruhig. Sie liegt direkt an einem Lauf des Rio Magdalena und war zu ihren Glanzzeiten eine wichtige Handelsstation, wohlhabend und vielfältig. Die großen christlichen Orden (Augustiner, Dominikaner, Franziskaner, Jesuiten) waren alle vertreten und trugen maßgeblich zur Entwicklung der Stadt bei. Auch der große Befreier Simón Bolívar war viele Male in Mompóx, nachdem er hier Teile seiner Truppen für die Schlachten bei Cartagena rekrutiert hatte.

Mompox

Sehr wohlhabend ist die Stadt heute nicht mehr, aber vielfältig ist sie geblieben. Es finden sich viele verschiedene Baustile und der koloniale Glanz beschränkt sich hier nicht auf ein Zentrum, sondern fast jedes Haus macht mit seinen Fenstern, Portalen, Brunnen, Pflanzen oder Bogengängen etwas her.

Innenhof in Mompox

Nicht von ungefähr wird Mompóx immer wieder als Filmkulisse verwendet, so beispielsweise für die Verfilmung von Gabriel García Márquez’ Chronik eines angekündigten Todes.

Vom Glockenturm der Kirche Santa Barbara konnten wir uns einen schönen Überblick über die Stadt verschaffen.

Im Glockentrum von Santa Barbara

Kurz bevor wir uns dann wieder auf den Rückweg machten, brachte uns unser persönlicher city guide auch noch zu einer lokalen Flötenspieler-Berühmtheit: einem bereits etwas senilen Herr, der aber noch verdammt gut auf einer einfachen Art Querflöte spielen konnte (leider den Namen vergessen). Meine Versuche, jenem Instrument hübsche Melodien zu entlocken sind leider fehlgeschlagen.

Flötenspieler Mompox

Da es bereits nachmittag war und wir am nächsten Morgen wieder in Medellin sein wollten, mussten wir uns daraufhin auch schon wieder von Mompox verabschieden. Ich möchte es jedem empfehlen, der mit entspanntem Zeitplan durch Kolumbien reist.

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