Urlaub


Am letzten Tag gab es nochmal ein “9er-Frühstück” bei Rene, Riesenobstschale mit frischen Früchten, heiße Schokolade, selbstgemachtes Brot, selbstgemachtes Joghurt … hm, superrico …

Frühstück San Agustin

Und dann warteten auch schon die Pferde auf uns und es ging quasi im Galopp (da wir nur noch zwei Stunden hatten) zur Chaquíra, eine Felsengruppe mit in den Fels gehauenen Figuren. Das Beeindruckende ist, dass man mehr oder weniger alleine ist. Man kommt nur auf dem Rücken der Pferde oder zu Fuß dorthin und es gibt keine Artesania- oder Essensstände. Man blickt auf eine sich ewig ausbreitende Schlucht mit Wasserfällen und Grün in allen Tönen. Majestätisch schweben ein paar Geier über dem Tal und schier irreal weit entfernt von einem fließt der Rio Magdalena unter einem durch das Tal.

Chaquira - San Agustin

Hier konnten wir noch etwas Kraft tanken und die unfassbare Größe auf uns wirken lassen. Leider wieder bei Nieselregen, aber in solch einer Umgebung ist das unbedeutend.

Dann schwangen wir uns wieder auf die Pferde und es ging zurück durch den knöcheltiefen Morast, den wir zum Glück nicht selbst durchwaten mussten.

Chaquira - San Agustin

Mit den von Pferdehufen aufgewühlten Schlammspritzern gezeichnet ging es nach unserer letzten Aktion innerhalb von 15 Stunden mit verschiedenen Bussen zurück nach Medellin.

Unsere vielfältige Tour in die Umgebung von San Agustin begann morgens um neun mit dem gefährlich rutschigen Abstieg (den wir glücklich überstanden) von Renés Finca zur Hauptstraße, wo uns der Jeep schon erwartete.

San Agustin - Abstieg von El Maco

Im Jeep trafen wir (der Ire Steve und wir beide) auf den Franzosen Fabien und die Irin Emma und so ging es dann zu fünft hinten im Jeep die nächsten acht Stunden durch die herrliche Gegend.

San Agustin - Jeep Tour

Unsere Tour sollte uns über die engste Stelle des Rio Magdalena, an beeindruckenden Wasserfällen vorbei und zu weiteren Grabstätten führen.

San Agustin - Ruta Arqueologico

Der nach der Tagesheiligen am Tage seiner Entdeckung benannte Rio Magdalena - einer der wichtigsten und größten Flüsse Kolumbiens - ist an seiner schmalsten Stelle nur 2,20 Meter breit - also eigentlich glatt überspringbar. Wir habens bei der reißenden Strömung trotzdem mal sein lassen.

Estrecho del Rio Magdalena

Am Alto de Los Idolos bestaunten wir neben weiteren Grabfiguren tonnenschwere Grabdeckel in Krokodilform - oder ist das vielleicht die Vorlage für den Glücksdrachen Fuchur der unendlichen Geschichte gewesen?

Alto de Los Idolos

Die schöne Landschaft mit Kaffeepflanzen und Guayaba-Bäumen erinnerte fast ein bissl an an schwäbische Obstwiesen.

Alto de Los Idolos

Und auch hier gab es Gräber und die zugehörigen Grabwächter, zu denen wir uns freundschaftlich dazugesellten.

Park Alto de Los Idolos

Aus diesem Park sollte der hochwüchsige Ire Steve auch noch eine kleine Erinnerung fürs Leben mitnehmen, als er sich beim Bewundern der überdachten Grabstätten einmal zu wenig duckte und sich so am Dachbalken eine Platzwunde an der Stirn zuzog, deren Blutungen wir zunächst mit Klopapier (das hat man ja in Südamerika meistens dabei) notdürftig stoppen konnten.
Während wir anderen dann in Isnos gemütlich zu Mittag aßen, lernte Steve das centro de salud (Krankenstation) kennen, wo seine Wunde mit zwei Stichen genäht wurde.

Isnos - Mittagessen

Danach ging es weiter zum ersten großen Wasserfall, dem Salto de Bordones. Der Fluss schlängelt sich hier kilometerweit durch das grüne Tal.

Am Salto de Bordones

Und weiter gings zum Alto de Las Piedras. Nicht schwierig zu erraten, was wir dort sehen konnten.

Alto de Las Piedras

Letzte Station war der Salto del Mortino, ein weiterer traumhafter Wasserfall in dieser Region, die in Bezug auf die Wasservorräte zu den wichtigsten des Landes gehört.

Salto del Mortino

Danach ging es zurück, leider wieder mit einstündiger Zwangspause an der gleichen Stelle wie zwei Tage zuvor, aber dieses Mal wussten wir ja bereits bestens, wo wir in San Agustin hin mussten.

Die Fahrt von Popayan nach San Agustin (etwa 120 km) dauert aufgrund der schlechten Straße immer mindestens fünf, bei uns waren es dann aber über acht Stunden! Das lag u.a. am schier ununterbrochenen Regen, an Reifenpannen, Erdrutschen und Straßenbauarbeiten (ey ey ey).

Straßenbauarbeiten kurz vor San Agustin

Trotzdem kämpften wir uns dann noch kurz vor Einbruch tiefer Dunkelheit ein paar hundert Meter von San Agustin entfernt in unseren inadäquaten Halbschühchen den schlammig glitschigen Pfad zur Finca Renes - El Maco - bergauf. Der empfing uns auch herzlich mit von Paloma zubereiteten Spaghetti und dabei lernten wir sogar noch gleich sein frischgeborenes Töchterlein kennen.

Nach einer Nacht mit abgefahrenen Träumen (es lag sicher nicht nur an der Katze im Bett) gings am nächsten Tag bei Nieselregen in den Archäologischen Park, wo wir schnell steinerne Freunde fanden.

Archäologischer Park San Agustin

Archäologischer Park San Agustin

Bis heute gibt es viele Theorien aber wenige Fakten über die rätselhafte Hochkultur von San Agustin, die von 3.300 v.Chr. bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert in der Region lebte und dort ihre Spuren hinterlassen haben, vor allem in Form von Steingräbern und beeindruckenden menschlichen und tierischen Steinfiguren.

Archäologischer Park San Agustin

Interessant ist, dass viele Eigenschaften der dargestellten Tiere und Menschen von anderen Erdkreisen wie Afrika oder Asien beeinflusst scheinen, so die Schlitzaugen oder die breiten Nasen. Es könnte sein, dass San Agustin Handelsbeziehungen zu weit entfernten Regionen pflegte, es könnte auch sein, dass die Schamanen von San Agustin, die Impressionen von ihren transzendentale Reisen mitbrachten. Wer weiß, wer weiß …

Unsere zweite Station war Coconuco, mit 2.500 m etwas höher gelegen und auch kälter als Popayan. Trotzdem waren wir zum Baden dort, denn es gibt dort heiße Quellen.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Da es nur eine dreiviertel Stunde von Popayan entfernt ist und man dort direkt zelten kann, besuchen am Wochenende zahlreiche Menschen die Anlage Agua Tibias mit mehreren Becken, Wasserrutsche und Wiesenflächen zum Entspannen.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Auch wir haben es uns im warmen Wasser gemütlich gemacht.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Wie schon erwähnt gibt es auch eine Wasserrutsche (ob die beim TÜV durchgehen würde? Ey ey ey …), die ich dann auch mal in Wahnsinnsgeschwindigkeit auf einem Fußabtreter mit einem ebenfalls todesmutigen Kumpanen im Zweierbob runtergerutscht bin (hao hao).

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Zur Abwechslung gab es im Anschluss eine einfühlsame Wasserballett-Vorstellung vom Schwanensee von Onkel Fernando.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Einen neuen Modetrend haben wir auch ausmachen können. Die ohnehin schon knappe Badehose einfach noch in die Arschfalte hochziehen … übrigens könnt ihr euch freuen, dass ich den Buben nicht von vorne fotografiert habe (grrr, Spitzname wörtlich - fall-out-boy … oink).

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Als der Mond dann so langsam über den Hügeln aufging, wars Zeit, uns auf den Heimweg zu machen.

Heiße Quellen Coconuco - Kolumbien

Nach ungefähr zehn Stunden Busfahrt kamen wir morgens aus Medellin in Popayan an, das sollte die erste Station unseres kleinen Mini-Urlaubs werden. Diana hat dort eine Oma und - ich glaube sie weiß das selbst nicht so genau - ungefähr 42.000 Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen.

Popayan - Kolumbien

Popayan - die weiße Stadt - liegt im Süden Kolumbiens in einem Tal zwischen der West- und der Zentralkordillere auf etwa 1.700 m und erinnert mit seinen weiß gestrichenen Häuschen mit Ziegeldächern an andere Städte im Kolonialstil wie Arequipa oder Cuzco. Hier der Blick vom Hügel Morro del Tulcán über den historischen Stadtkern, der nach einem schweren Erdbeben 1983 wieder aufgebaut wurde.

Popayan - Kolumbien

Unsere erste Aktion war der Besuch eines typischen Restaurants mit dem Onkel Fernando und einem der vielen Cousins, bei dem wir Tamales (Maismasse gemixt mit Fleisch in Bananenblatt), Empanadas (gefüllte Teigtaschen), Champús (dickflüssiges Getränk mit Mais und verschiedenen Früchten), Fleisch in Mandarinensoße und jede Menge anderer Leckereien in uns reinstopften.

Popayan - Kolumbien

Anderthalb Stunden später (und jeder etwa drei Kilo schwerer) kugelten wir aus dem Restaurant und spazierten dann ein wenig durch die netten Gassen und auf den Hügel der Stadt, von dem aus Belalcázar, der Gründer Popayans, Quitos und Calis, über die Stadt wacht.

Popayan - Kolumbien

Übernachten konnten wir im kleinen Häuschen der Oma - Alternativen standen eigentlich nicht zur Debatte, zu groß die Gefahr, die Oma zu kränken.

Popayan - Kolumbien

Die Oma war zunächst ziemlich misstrauisch gegenüber dem Blondschopf, den ihre Diana da mitgebracht hatte. Als wir dann aber die wichtigsten Fragen geklärt hatten, wie etwa die, ob ich in Deutschland schon verheiratet wäre (*hüstl*), war sie etwas beruhigter :-)

Am letzten Wochenende haben Florian, Paula und ich einen kleinen Ausflug nach Cabo Frio unternommen, ein kleiner Ort an der Küste etwas nördlich von Rio de Janeiro. Genau genommen waren wir in Arraial do Cabo, auf einer Art Halbinsel, also Strand in alle Richtungen bis auf Westen.

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Die Brasilianer wissen natürlich, dass sie sich ranhalten müssen, wenn sie bei der Fußball-WM 2010 was reißen wollen…

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… während wir uns eher aufs Strand-Flacken und Schwimmen spezialisiert haben.

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Hier wollen Florian und Paula den Pelicano entern.

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Abends gabs Rodizio (die brasilianische Variante von Eat-as-much-as-you-want) mit buntem Allerlei aus dem Meer (Fisch, Krabben, Tintenfisch, etc.), hach … lecker, aber ein bissl viel für uns drei.
Damit wir uns das durchs Rodizio und das helado a kilo (Eiscreme nach Gewicht) Angefressene wieder abtrainieren konnten, haben sich Florian und ich dann am Sonntag noch auf die Wellen begegeben.

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Schon nach kurzer Instruktion sind wir die Wellen in der “Posição básica” abgeritten wie junge Götter (hüstl). Zum Glück war Regen-Wetter so hatten wir einen uns super motivierenden Surflehrer ganz für uns alleine und haben bis zur Dunkelheit trainiert.

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Von einem Seeigel lebensgefährlich verletzt, aber die Zähne zusammenbeißend, ging es dann wieder im Bus zurück nach Juiz de Fora.

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