Kolumbien


Um hundert Jahre verspätet mein Blog-Eintrag zu Halloween im Mangos. Halloween und Verkleiden und all das ist ja normalerweise nicht so mein Ding, aber in der Disco Mangos ist das ein erstklassiges Spaß-Ereignis, so dass wir hier die Kommerzialisierungskritik von Halloween mal außen vor lassen wollen. Und da Yngrid wahnsinnig stylische Kostüme entworfen hat, war es auch sehr cool.

Yngrid beim Basteln

Wie ihr vielleicht schon erkennen könnt - unsere Verkleidung: Bierflaschen. Der geniale Entwurf stammt von Yngrid, aber beim Basteln waren wir natürlich mit eingebunden…

Stefan beim Basteln

Im Mangos angekommen, waren wir auch gleich beliebtes Fotomotiv - hier mit Marilyn.

Die Bierflaschen mit Marilyn

Beim Wettbewerb um die beste Verkleidung haben wir dann nicht gemacht. Die Konkurrenz war auch stark mit dem Coca-Blatt, dem wandelnden Badezimmer oder Juan Valdez mit Café.

Halloween im Mangos

Und zum Ende noch Mal fast alle Biersorten zusammen … inzwischen schon sehr zerknautscht und fast leer getrunken.

Verkleidung als Bierflaschen

Unser nächstes Ziel war Mompóx - nicht ganz so leicht erreichbar wie Medellin oder Cartagena. Von Tolu ging es zunächst weiter im Bus nach Sincelejo, der Hauptstadt des Departamento Sucre. Dort kamen wir um 5 Uhr nachmittags und damit so spät an, dass wir keinen öffentlichen Bus mehr nach Magangué bekamen, von wo aus die Fähre über den Rio Magdalena übersetzt. Aber wir konnten ein Sammeltaxi finden, mit dem wir die vielleicht 80 km(?) für einen zäh ausgehandelten Preis (*puh*) überbrücken konnten. Leider blieben wir auf halber Strecke stecken und durften nach einigen erfolglosen Anschieb-Versuchen auf eine neue Autobatterie warten.

Trotz der Umstände waren wir um halb neun in einem günstigen Hostal in Magangué. Darüber war ich auch ganz glücklich, denn ich hatte diese seltsamen Beschwerden, bei denen man dauernd aufstoßen muss und es nach fauligen Eiern riecht und plötzlich machen alle einen großen Bogen um dich und egal wie viel Kaugummi du kaust, es hilft nichts! ["Uhhhh, musst du wirklich alles erzählen hier?!" - "Ne, warum?" - "Dann streich das lieber raus." - "Ok."]

Wie dem auch sei, morgens waren wir um halb sechs auf den Beinen, um die “Ferry” - die schon seit 450 Jahren hier hin und her schippert - nicht zu verpassen, aber wir hätten auch noch ein Weilchen im Deckenventilator-gekühlten Hostal-Zimmer weiterschlummern können. Denn um sechs wurde erst begonnen, die Fähre zu beladen. Auf dem Weg dorthin mit dem Taxi fuhren wir an einer sicherlich über 200 Meter langen Schlange von LKWs vorbei. Und die sollten alle auf diese Fähre passen.

Fähre nach Mompóx

Fußvolk - wie wir - darf übrigens kostenfrei mitfahren und nachdem wir uns ein Plätzchen gesucht hatten, konnten wir das tetris-artige Einparkspektakel von oben mitverfolgen.

Beladen der Fähre Mompox

Die erste Reihe war schon eingeparkt, kam aber noch eine zweite dazu. Das Licht war schön, haben wir also gleich noch ein paar Fotos gemacht.

Fähre nach Mompóx

Und nachdem schon kaum mehr ein Fleckchen Boden zu sehen war, wurden ganz hinten auf einen Überhang noch Moped- und Motorradfahrer mit Kisten, Eisboxen und Sonnenbrillenpaletten drauf gequetscht.

Fähre nach Mompóx

Der vollbeladene Koloss legte in gemächlichem Tempo ab und benötigte dann auch etwa 40 Minuten für die Strecke nach Bodega, ein Stück den Rio Magdalena rauf und dann einen Seitenarm wieder runter. Die Fährfahrt mit all dem Gedränge und Gewusel an Deck ist auf jeden Fall ein Erlebnis und für Touristen garantiert ein Geheimtipp.

Danach waren wir aber immer noch nicht am Ziel angelangt sondern mussten noch an die 30 Kilometer im Taxi fahren, bevor wir das koloniale Juwel endlich erreichten.

Mompox

Die kleine Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern ist trotz ihres Status als UNESCO-Weltkulturerbe keine Touristen-Hochburg sondern entspannt ruhig. Sie liegt direkt an einem Lauf des Rio Magdalena und war zu ihren Glanzzeiten eine wichtige Handelsstation, wohlhabend und vielfältig. Die großen christlichen Orden (Augustiner, Dominikaner, Franziskaner, Jesuiten) waren alle vertreten und trugen maßgeblich zur Entwicklung der Stadt bei. Auch der große Befreier Simón Bolívar war viele Male in Mompóx, nachdem er hier Teile seiner Truppen für die Schlachten bei Cartagena rekrutiert hatte.

Mompox

Sehr wohlhabend ist die Stadt heute nicht mehr, aber vielfältig ist sie geblieben. Es finden sich viele verschiedene Baustile und der koloniale Glanz beschränkt sich hier nicht auf ein Zentrum, sondern fast jedes Haus macht mit seinen Fenstern, Portalen, Brunnen, Pflanzen oder Bogengängen etwas her.

Innenhof in Mompox

Nicht von ungefähr wird Mompóx immer wieder als Filmkulisse verwendet, so beispielsweise für die Verfilmung von Gabriel García Márquez’ Chronik eines angekündigten Todes.

Vom Glockenturm der Kirche Santa Barbara konnten wir uns einen schönen Überblick über die Stadt verschaffen.

Im Glockentrum von Santa Barbara

Kurz bevor wir uns dann wieder auf den Rückweg machten, brachte uns unser persönlicher city guide auch noch zu einer lokalen Flötenspieler-Berühmtheit: einem bereits etwas senilen Herr, der aber noch verdammt gut auf einer einfachen Art Querflöte spielen konnte (leider den Namen vergessen). Meine Versuche, jenem Instrument hübsche Melodien zu entlocken sind leider fehlgeschlagen.

Flötenspieler Mompox

Da es bereits nachmittag war und wir am nächsten Morgen wieder in Medellin sein wollten, mussten wir uns daraufhin auch schon wieder von Mompox verabschieden. Ich möchte es jedem empfehlen, der mit entspanntem Zeitplan durch Kolumbien reist.

Nachtfahrt im Bus von Medellin nach Porvenir, nahe Cobeñas, ca. 100 km südlich von Cartagena an der kolumbianischen Karibikküste; der Busfahrer des Überlandbuses hatte uns morgens um halb sieben leider etwas zu früh rausgeschmissen, wir mussten also noch ein paar Kilometer mit anderen Verkehrsmitteln weiterkommen. Aber Colectivo (Minibus, der die Leute an der Straße einsammelt) zu fahren ist ja immer ganz spannend. Die Besitzer wollen wenigstens ein bissl was verdienen und stopfen den kleinen Bus dann immer kompletti voll, bunt gemischt: Bauern mit Gemüsesäcken und dicke Mamas mit Flip-Flops, aber auch Geschäftsleute in etwas vornehmerer Kleidung und ab und zu eben auch mal Touristen wie wir. Da ist dann also nichts mit aufrecht sitzen oder Beine ausstrecken (Basketballspieler: Besser Taxi nehmen).

Wie dem auch sei, wir kamen gut am Ziel an und trafen durch Zufall direkt die Besitzer des Grundstücks, wo uns Freunde empfohlen hatten, dass wir dort gut und günstig zelten könnten, alles privat und etwas provisorisch, aber nett. Bis auf den tooonnenschweren Ast, der zum Glück neben unser Zelt vom Baum gefallen ist, und die Regenmassen, die durch unser einfaches Zelt reingeflossen sind, wars optimal.

Porvenir vor dem Zelt

Nach dem Zeltaufbau und einem entspannten Frühstück mit den Früchten direkt von den Bäumen um uns rum, testeten wir dann gleich den Strand, der ein paar Fußminuten entfernt liegt. Wie ihr seht, waren wir nicht die einzigen, die den Strandtag genießen wollten (*oink*).

Schweine am Strand

Aber mit vielen Touristen mussten wir die schönen Buchten hier wirklich nicht teilen. Die Tage am Strand waren also “sau”-entspannt (hohoh) und ich glaube, dass ich noch nie in so heißem Meerwasser gebadet habe, mindestens so heiß wie das verpingelte Babybecken unseres Hallenbads. Man konnte also ohne Probleme stundenlang baden. Normalerweise ist Ins-Wasser-gehen ja schon so ein bissl ne Qual … vor allem der Moment, wenn das kalte See- oder Meerwasser sich langsam die bis dahin trockenen warmen Shorts hocharbeitet (uhhhhhhh …), aber stop, genug Mädeligkeit preisgegeben, weiter im Text. Auch am Abend wars hübsch und noch superheiß.

Abend am Strand in Porvenir

Einen Tag machten wir einen Ausflug auf die Islas de San Bernardo, ein kleines Archipel einige Kilometer vor der Küste. Zur Inselgruppe gehört eine der dichtbevölkertsten Inseln der Welt und einige wunderschöne Sandstrand-Palmen-Inseln zum Entspannen und Schnorcheln.

Islas de San Bernardo

Auch Flamingos gabs auf einer Insel, deren Namen ich vergessen habe und auf der wir auch Delphine und Haie gesehen haben. Weiß eigentlich jemand, warum Flamingos so gerne und oft auf einem Bein stehen, dann sende mir bitte einen Kommentar, danke!

Flamingos

Nebenher hab ich übrigens noch nen großen Hai gefangen, bewaffnet lediglich mit einer einfachen Harpune und geschützt durch einen stabilen Tauchhelm, damit mir der Hai nicht den Kopf abbeißen konnte.

Stefan der Haifänger

Genug der Heldentaten. Muss schlafen gehen.

Andre schrieb kürzlich über eine interessante Dokumentation über Fernsehen in Kolumbien.

Ich habe den Beitrag angeschaut, als ich gerade für einige Zeit in Medellin war und ich dachte mir “Upps, das darfst du deinen Eltern nicht zeigen, sonst schicken die dir gleich einen Rettungstrupp aus dem tödlich gefährlichen Kolumbien!”.

Also das was beim Anschauen der Sendung über Kolumbien unterm Strich hängenbleibt, ist leider das gleiche wie immer. Gewalt und Bürgerkrieg etc. Da ist jedoch irgendwie immer ein anderes Gefühl bei mir, wenn ich vor Ort bin und das können sicher viele bestätigen (ich bin natürlich auch nicht in Krisenregionen).

Aber vielleicht sagt der Beitrag auch mehr etwas über die Macher als über das dargestellte Land aus? Klischees bestätigende Infos finden eben einfacheren Zugang in die Köpfe von uns Europäern, oder? Vielleicht besteht da von Seiten der Macher die Angst, den Zuschauer zu überfordern, wenn dieser plötzlich Kolumbien nicht mehr ganz einfach und schnell mit wenigen Schlagworten (z.B. Drogen, Entführungen) in die Kategorie “böse und gefährlich” packen kann, sondern plötzlich eine positive Dimension (Schlagworte Lebensfreude, Herzlichkeit, etc.) hinzukommt …

Wie dem auch sei - wem es möglich ist, der kann sich natürlich durch eine Reise selbst ein Bild machen. Und ich bin überzeugt, dass es die allerwenigsten bereuen würden.

Am letzten Tag gab es nochmal ein “9er-Frühstück” bei Rene, Riesenobstschale mit frischen Früchten, heiße Schokolade, selbstgemachtes Brot, selbstgemachtes Joghurt … hm, superrico …

Frühstück San Agustin

Und dann warteten auch schon die Pferde auf uns und es ging quasi im Galopp (da wir nur noch zwei Stunden hatten) zur Chaquíra, eine Felsengruppe mit in den Fels gehauenen Figuren. Das Beeindruckende ist, dass man mehr oder weniger alleine ist. Man kommt nur auf dem Rücken der Pferde oder zu Fuß dorthin und es gibt keine Artesania- oder Essensstände. Man blickt auf eine sich ewig ausbreitende Schlucht mit Wasserfällen und Grün in allen Tönen. Majestätisch schweben ein paar Geier über dem Tal und schier irreal weit entfernt von einem fließt der Rio Magdalena unter einem durch das Tal.

Chaquira - San Agustin

Hier konnten wir noch etwas Kraft tanken und die unfassbare Größe auf uns wirken lassen. Leider wieder bei Nieselregen, aber in solch einer Umgebung ist das unbedeutend.

Dann schwangen wir uns wieder auf die Pferde und es ging zurück durch den knöcheltiefen Morast, den wir zum Glück nicht selbst durchwaten mussten.

Chaquira - San Agustin

Mit den von Pferdehufen aufgewühlten Schlammspritzern gezeichnet ging es nach unserer letzten Aktion innerhalb von 15 Stunden mit verschiedenen Bussen zurück nach Medellin.

Unsere vielfältige Tour in die Umgebung von San Agustin begann morgens um neun mit dem gefährlich rutschigen Abstieg (den wir glücklich überstanden) von Renés Finca zur Hauptstraße, wo uns der Jeep schon erwartete.

San Agustin - Abstieg von El Maco

Im Jeep trafen wir (der Ire Steve und wir beide) auf den Franzosen Fabien und die Irin Emma und so ging es dann zu fünft hinten im Jeep die nächsten acht Stunden durch die herrliche Gegend.

San Agustin - Jeep Tour

Unsere Tour sollte uns über die engste Stelle des Rio Magdalena, an beeindruckenden Wasserfällen vorbei und zu weiteren Grabstätten führen.

San Agustin - Ruta Arqueologico

Der nach der Tagesheiligen am Tage seiner Entdeckung benannte Rio Magdalena - einer der wichtigsten und größten Flüsse Kolumbiens - ist an seiner schmalsten Stelle nur 2,20 Meter breit - also eigentlich glatt überspringbar. Wir habens bei der reißenden Strömung trotzdem mal sein lassen.

Estrecho del Rio Magdalena

Am Alto de Los Idolos bestaunten wir neben weiteren Grabfiguren tonnenschwere Grabdeckel in Krokodilform - oder ist das vielleicht die Vorlage für den Glücksdrachen Fuchur der unendlichen Geschichte gewesen?

Alto de Los Idolos

Die schöne Landschaft mit Kaffeepflanzen und Guayaba-Bäumen erinnerte fast ein bissl an an schwäbische Obstwiesen.

Alto de Los Idolos

Und auch hier gab es Gräber und die zugehörigen Grabwächter, zu denen wir uns freundschaftlich dazugesellten.

Park Alto de Los Idolos

Aus diesem Park sollte der hochwüchsige Ire Steve auch noch eine kleine Erinnerung fürs Leben mitnehmen, als er sich beim Bewundern der überdachten Grabstätten einmal zu wenig duckte und sich so am Dachbalken eine Platzwunde an der Stirn zuzog, deren Blutungen wir zunächst mit Klopapier (das hat man ja in Südamerika meistens dabei) notdürftig stoppen konnten.
Während wir anderen dann in Isnos gemütlich zu Mittag aßen, lernte Steve das centro de salud (Krankenstation) kennen, wo seine Wunde mit zwei Stichen genäht wurde.

Isnos - Mittagessen

Danach ging es weiter zum ersten großen Wasserfall, dem Salto de Bordones. Der Fluss schlängelt sich hier kilometerweit durch das grüne Tal.

Am Salto de Bordones

Und weiter gings zum Alto de Las Piedras. Nicht schwierig zu erraten, was wir dort sehen konnten.

Alto de Las Piedras

Letzte Station war der Salto del Mortino, ein weiterer traumhafter Wasserfall in dieser Region, die in Bezug auf die Wasservorräte zu den wichtigsten des Landes gehört.

Salto del Mortino

Danach ging es zurück, leider wieder mit einstündiger Zwangspause an der gleichen Stelle wie zwei Tage zuvor, aber dieses Mal wussten wir ja bereits bestens, wo wir in San Agustin hin mussten.

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