Nach einem lustigen Abend mit 710 tausend Betrunkenen aufm Oktoberfest war die Ruhe der Berge ein willkommenes Kontrastprogramm. Schon gleich gar, wenn die Wettervorhersage derart scheiße ist, dass sich kein anderer in die Berge traut.
Beim Aufstieg zum Spitzingsee (von Neuhaus beim Schliersee) hatten wir dann Glück - kein Regen, nur ein bissl Nebel, genau so dann bei der Ankunft am Rotwand-Haus, unserem Nachtquartier.

Nach einer heißen Schokolade, einem Süppchen und nem bissl Schlaf aufm Tisch in der Gaststube hat das Wetter dann aber noch radikal umgeschlagen (das Wetter kann halt ziemlich schnell umschlagen im Gebirge …). Zum Sonnenuntergang hab ich mich also noch zum Mini-Aufstieg auf die Rotwand aufgerafft. Das Haus plötzlich nicht mehr im Nebel, sondern im Sonnenlicht, von goldenen Wiesen umsäumt.

Oben am Gipfelkreuz konnte ich dann alleine die geniale Abendstimmung genießen. Auf der einen Seite Sonnenuntergang, auf der anderen Mondaufgang. Ich glaub anhand der folgenden Bilder kann man schon erahnen, dass so etwas extrem geil sein kann.

Beweisfoto: Stefan oben auf der Rotwand.

Wolkenmeer wie ausm Flugzeug.

Und Mondaufgang … Vollmond.

Und am nächsten Morgen hatte das Wetter schon wieder umgeschlagen. Geil. Schnee.

So sind wir dann also durch die verschneiten Berge wieder zum Auto zurückgewandert.

Aus einer ziemlich schwachen Prognose haben wir also noch ganz gut was rausgeholt…
Am Samstag in der Früh bei Sonnenaufgang gings ab nach Oberstdorf. Wo sich andere mit der Gondel hochtragen lassen, stellten wir schon mal unsere Fitness auf die Probe. Durch herbstlich bunten Wald gings erstmal gut 1000 m in die Höhe.

Dass der Wetterbericht ein bissl zu viel Sonne versprochen hatte, merkten wir bei unserer ersten Rast am Seealpsee. Wir waren froh um jede Kleiderschicht, die uns vor dem winterlich kalten Bergwind schützte.

Nachden wir weitere x-tausend Höhenmeter überwunden hatten (wow), kamen wir dann ans zunächst noch wolkenverhangene Prinz Luitpold Haus (auf 1846 m). Da waren wir dann auch nicht die einzigen Wochenendwanderer.

Nach Kässpätzle und Kaiserschmarrn konnten wir noch einen Wahnsinnssonnenuntergang über einem unendlichen Nebelmeer genießen.

Und - man glaubts kaum - bereits um 9 Uhr waren wir in der Koje (die Bergluft machts möglich), ein Sardinen-Matratzenlager mit etwa 40.000 Leuten pro Schlafsaal. Die letzte Übernachtung in diesem Stil hatte ich vor 10 Jahren.

Am nächsten Morgen frühstückten wir zum Wahnsinnssonnenaufgang auf der Terasse, bevor wir uns dann wieder auf den Weg zurück in die Zivilisation machten.

Der zweite Tag war denn auch so sonnig wie vorausgesagt, der Rundumblick beeindruckend.

Und - nachdem wir am ersten Tag aufgrund der Wetterbedingungen kaum die Bergketten um uns herum ausmachen konnten - sahen wir am zweiten Tag neben beeindruckendem Bergpanorama auch Bergtiere, etwa ein Rudel steinefressender Gemsen.

Das folgende Bild ist meine Antwort auf den Christo von Corcovado.

Vor dem Abstieg ins Tal pausierten wir noch am Schrecksee (wahrscheinlich heißt der so, weil sich die Leute dort gern bei 10 Grad kaltem Gebirgswasser abschrecken). Dessen ruhige spiegelnde Wasseroberfläche schrie natürlich geradezu “fotografier mich”.

Hier sprangen auch ein paar Murmeltiere noch fröhlich vor unsere Linsen.

Auch schier unüberwindbare Schluchten meisterten wir mit der behänden Leichtigkeit von Gemsen.

Und so kamen wir dann auch abends - als die Sonne wieder hinter den Bergen verschwand - wieder ans Auto, mit dem wir unserer verdienten (und nötigen) Dusche entgegenfuhren.