Unser nächstes Ziel war Mompóx - nicht ganz so leicht erreichbar wie Medellin oder Cartagena. Von Tolu ging es zunächst weiter im Bus nach Sincelejo, der Hauptstadt des Departamento Sucre. Dort kamen wir um 5 Uhr nachmittags und damit so spät an, dass wir keinen öffentlichen Bus mehr nach Magangué bekamen, von wo aus die Fähre über den Rio Magdalena übersetzt. Aber wir konnten ein Sammeltaxi finden, mit dem wir die vielleicht 80 km(?) für einen zäh ausgehandelten Preis (*puh*) überbrücken konnten. Leider blieben wir auf halber Strecke stecken und durften nach einigen erfolglosen Anschieb-Versuchen auf eine neue Autobatterie warten.

Trotz der Umstände waren wir um halb neun in einem günstigen Hostal in Magangué. Darüber war ich auch ganz glücklich, denn ich hatte diese seltsamen Beschwerden, bei denen man dauernd aufstoßen muss und es nach fauligen Eiern riecht und plötzlich machen alle einen großen Bogen um dich und egal wie viel Kaugummi du kaust, es hilft nichts! ["Uhhhh, musst du wirklich alles erzählen hier?!" - "Ne, warum?" - "Dann streich das lieber raus." - "Ok."]

Wie dem auch sei, morgens waren wir um halb sechs auf den Beinen, um die “Ferry” - die schon seit 450 Jahren hier hin und her schippert - nicht zu verpassen, aber wir hätten auch noch ein Weilchen im Deckenventilator-gekühlten Hostal-Zimmer weiterschlummern können. Denn um sechs wurde erst begonnen, die Fähre zu beladen. Auf dem Weg dorthin mit dem Taxi fuhren wir an einer sicherlich über 200 Meter langen Schlange von LKWs vorbei. Und die sollten alle auf diese Fähre passen.

Fähre nach Mompóx

Fußvolk - wie wir - darf übrigens kostenfrei mitfahren und nachdem wir uns ein Plätzchen gesucht hatten, konnten wir das tetris-artige Einparkspektakel von oben mitverfolgen.

Beladen der Fähre Mompox

Die erste Reihe war schon eingeparkt, kam aber noch eine zweite dazu. Das Licht war schön, haben wir also gleich noch ein paar Fotos gemacht.

Fähre nach Mompóx

Und nachdem schon kaum mehr ein Fleckchen Boden zu sehen war, wurden ganz hinten auf einen Überhang noch Moped- und Motorradfahrer mit Kisten, Eisboxen und Sonnenbrillenpaletten drauf gequetscht.

Fähre nach Mompóx

Der vollbeladene Koloss legte in gemächlichem Tempo ab und benötigte dann auch etwa 40 Minuten für die Strecke nach Bodega, ein Stück den Rio Magdalena rauf und dann einen Seitenarm wieder runter. Die Fährfahrt mit all dem Gedränge und Gewusel an Deck ist auf jeden Fall ein Erlebnis und für Touristen garantiert ein Geheimtipp.

Danach waren wir aber immer noch nicht am Ziel angelangt sondern mussten noch an die 30 Kilometer im Taxi fahren, bevor wir das koloniale Juwel endlich erreichten.

Mompox

Die kleine Stadt mit etwa 30.000 Einwohnern ist trotz ihres Status als UNESCO-Weltkulturerbe keine Touristen-Hochburg sondern entspannt ruhig. Sie liegt direkt an einem Lauf des Rio Magdalena und war zu ihren Glanzzeiten eine wichtige Handelsstation, wohlhabend und vielfältig. Die großen christlichen Orden (Augustiner, Dominikaner, Franziskaner, Jesuiten) waren alle vertreten und trugen maßgeblich zur Entwicklung der Stadt bei. Auch der große Befreier Simón Bolívar war viele Male in Mompóx, nachdem er hier Teile seiner Truppen für die Schlachten bei Cartagena rekrutiert hatte.

Mompox

Sehr wohlhabend ist die Stadt heute nicht mehr, aber vielfältig ist sie geblieben. Es finden sich viele verschiedene Baustile und der koloniale Glanz beschränkt sich hier nicht auf ein Zentrum, sondern fast jedes Haus macht mit seinen Fenstern, Portalen, Brunnen, Pflanzen oder Bogengängen etwas her.

Innenhof in Mompox

Nicht von ungefähr wird Mompóx immer wieder als Filmkulisse verwendet, so beispielsweise für die Verfilmung von Gabriel García Márquez’ Chronik eines angekündigten Todes.

Vom Glockenturm der Kirche Santa Barbara konnten wir uns einen schönen Überblick über die Stadt verschaffen.

Im Glockentrum von Santa Barbara

Kurz bevor wir uns dann wieder auf den Rückweg machten, brachte uns unser persönlicher city guide auch noch zu einer lokalen Flötenspieler-Berühmtheit: einem bereits etwas senilen Herr, der aber noch verdammt gut auf einer einfachen Art Querflöte spielen konnte (leider den Namen vergessen). Meine Versuche, jenem Instrument hübsche Melodien zu entlocken sind leider fehlgeschlagen.

Flötenspieler Mompox

Da es bereits nachmittag war und wir am nächsten Morgen wieder in Medellin sein wollten, mussten wir uns daraufhin auch schon wieder von Mompox verabschieden. Ich möchte es jedem empfehlen, der mit entspanntem Zeitplan durch Kolumbien reist.