July 2007


Andre schrieb kürzlich über eine interessante Dokumentation über Fernsehen in Kolumbien.

Ich habe den Beitrag angeschaut, als ich gerade für einige Zeit in Medellin war und ich dachte mir “Upps, das darfst du deinen Eltern nicht zeigen, sonst schicken die dir gleich einen Rettungstrupp aus dem tödlich gefährlichen Kolumbien!”.

Also das was beim Anschauen der Sendung über Kolumbien unterm Strich hängenbleibt, ist leider das gleiche wie immer. Gewalt und Bürgerkrieg etc. Da ist jedoch irgendwie immer ein anderes Gefühl bei mir, wenn ich vor Ort bin und das können sicher viele bestätigen (ich bin natürlich auch nicht in Krisenregionen).

Aber vielleicht sagt der Beitrag auch mehr etwas über die Macher als über das dargestellte Land aus? Klischees bestätigende Infos finden eben einfacheren Zugang in die Köpfe von uns Europäern, oder? Vielleicht besteht da von Seiten der Macher die Angst, den Zuschauer zu überfordern, wenn dieser plötzlich Kolumbien nicht mehr ganz einfach und schnell mit wenigen Schlagworten (z.B. Drogen, Entführungen) in die Kategorie “böse und gefährlich” packen kann, sondern plötzlich eine positive Dimension (Schlagworte Lebensfreude, Herzlichkeit, etc.) hinzukommt …

Wie dem auch sei - wem es möglich ist, der kann sich natürlich durch eine Reise selbst ein Bild machen. Und ich bin überzeugt, dass es die allerwenigsten bereuen würden.

Am letzten Tag gab es nochmal ein “9er-Frühstück” bei Rene, Riesenobstschale mit frischen Früchten, heiße Schokolade, selbstgemachtes Brot, selbstgemachtes Joghurt … hm, superrico …

Frühstück San Agustin

Und dann warteten auch schon die Pferde auf uns und es ging quasi im Galopp (da wir nur noch zwei Stunden hatten) zur Chaquíra, eine Felsengruppe mit in den Fels gehauenen Figuren. Das Beeindruckende ist, dass man mehr oder weniger alleine ist. Man kommt nur auf dem Rücken der Pferde oder zu Fuß dorthin und es gibt keine Artesania- oder Essensstände. Man blickt auf eine sich ewig ausbreitende Schlucht mit Wasserfällen und Grün in allen Tönen. Majestätisch schweben ein paar Geier über dem Tal und schier irreal weit entfernt von einem fließt der Rio Magdalena unter einem durch das Tal.

Chaquira - San Agustin

Hier konnten wir noch etwas Kraft tanken und die unfassbare Größe auf uns wirken lassen. Leider wieder bei Nieselregen, aber in solch einer Umgebung ist das unbedeutend.

Dann schwangen wir uns wieder auf die Pferde und es ging zurück durch den knöcheltiefen Morast, den wir zum Glück nicht selbst durchwaten mussten.

Chaquira - San Agustin

Mit den von Pferdehufen aufgewühlten Schlammspritzern gezeichnet ging es nach unserer letzten Aktion innerhalb von 15 Stunden mit verschiedenen Bussen zurück nach Medellin.

Unsere vielfältige Tour in die Umgebung von San Agustin begann morgens um neun mit dem gefährlich rutschigen Abstieg (den wir glücklich überstanden) von Renés Finca zur Hauptstraße, wo uns der Jeep schon erwartete.

San Agustin - Abstieg von El Maco

Im Jeep trafen wir (der Ire Steve und wir beide) auf den Franzosen Fabien und die Irin Emma und so ging es dann zu fünft hinten im Jeep die nächsten acht Stunden durch die herrliche Gegend.

San Agustin - Jeep Tour

Unsere Tour sollte uns über die engste Stelle des Rio Magdalena, an beeindruckenden Wasserfällen vorbei und zu weiteren Grabstätten führen.

San Agustin - Ruta Arqueologico

Der nach der Tagesheiligen am Tage seiner Entdeckung benannte Rio Magdalena - einer der wichtigsten und größten Flüsse Kolumbiens - ist an seiner schmalsten Stelle nur 2,20 Meter breit - also eigentlich glatt überspringbar. Wir habens bei der reißenden Strömung trotzdem mal sein lassen.

Estrecho del Rio Magdalena

Am Alto de Los Idolos bestaunten wir neben weiteren Grabfiguren tonnenschwere Grabdeckel in Krokodilform - oder ist das vielleicht die Vorlage für den Glücksdrachen Fuchur der unendlichen Geschichte gewesen?

Alto de Los Idolos

Die schöne Landschaft mit Kaffeepflanzen und Guayaba-Bäumen erinnerte fast ein bissl an an schwäbische Obstwiesen.

Alto de Los Idolos

Und auch hier gab es Gräber und die zugehörigen Grabwächter, zu denen wir uns freundschaftlich dazugesellten.

Park Alto de Los Idolos

Aus diesem Park sollte der hochwüchsige Ire Steve auch noch eine kleine Erinnerung fürs Leben mitnehmen, als er sich beim Bewundern der überdachten Grabstätten einmal zu wenig duckte und sich so am Dachbalken eine Platzwunde an der Stirn zuzog, deren Blutungen wir zunächst mit Klopapier (das hat man ja in Südamerika meistens dabei) notdürftig stoppen konnten.
Während wir anderen dann in Isnos gemütlich zu Mittag aßen, lernte Steve das centro de salud (Krankenstation) kennen, wo seine Wunde mit zwei Stichen genäht wurde.

Isnos - Mittagessen

Danach ging es weiter zum ersten großen Wasserfall, dem Salto de Bordones. Der Fluss schlängelt sich hier kilometerweit durch das grüne Tal.

Am Salto de Bordones

Und weiter gings zum Alto de Las Piedras. Nicht schwierig zu erraten, was wir dort sehen konnten.

Alto de Las Piedras

Letzte Station war der Salto del Mortino, ein weiterer traumhafter Wasserfall in dieser Region, die in Bezug auf die Wasservorräte zu den wichtigsten des Landes gehört.

Salto del Mortino

Danach ging es zurück, leider wieder mit einstündiger Zwangspause an der gleichen Stelle wie zwei Tage zuvor, aber dieses Mal wussten wir ja bereits bestens, wo wir in San Agustin hin mussten.