Wer beim Gedanken an kolumbianische Musik nur Salsa, Vallenato oder Latin-Rock im Ohr hat, der überhört ein paar Aspekte der vielfältigen Musikkultur dieses Landes. Ich habe die letzten Tage einen kleinen Einblick in zwei Bereiche bekommen, die ich zuvor nicht direkt mit Kolumbien in Verbindung gebracht hätte.

Am Donnerstag war ich mit Freunden bei einem Konzert in Medellin in einem alten Theater - Vorband war Siete, Hauptact Choc Quib Town.

Siete hat mich mit zum Teil scheinbar improvisiertem Experimental-Rock mit deutlichen Anklängen an Portishead oder Radiohead überrascht und teilweise etwas “überfordert”, da ich z.T. das Gefühlt hatte, dass bestimmte Noten, Akkorde und Harmonien nur deswegen nicht verwendet wurden, weil sie zu “konservativ” gewesen wären.

Siete

Choc Quib Town waren dann aber eine umfassend positive Überraschung - sehr feiner Hip-Hop aus dem Chocó, eine Region am Pazifik, die hauptsächlich von den Nachfahren der afrikanischen Sklaven besiedelt ist und sowohl zu den von der Natur her artenreichsten der Welt als auch zu den sozial ärmsten in Kolumbien zählt. Während bei Siete die Zuhörer noch still in ihren Theatersesseln saßen, war es bei Choc Quib Town von den ersten fetten Beats an kaum möglich, ruhig im Stuhl sitzen zu bleiben. Sänger und Sängerin - beide charismatisch - hatten es so auch bereits beim zweiten Lied geschafft, dass die meisten Leute direkt vor der Bühne tanzten.

Choc Quib Town

Dass der Hip-Hop die Menschen nicht nur musikalisch begeistert, hat dann einen Tag später ein kostenloses Konzert auf einem Sportplatz in der Comuna 13 - San Javier - gezeigt, auf dem mehrere Rap- und Hip-Hop-Bands aufgetreten sind, als Höhepunkt wiederum Choc Quib Town. San Javier ist ein ärmerer Stadtteil und mein Eindruck war, dass viele der Jugendlichen sich mehr noch als mit der Musik mit der Hip-Hop-Kultur identifizieren konnten, die sich ja auch in ihrem Ursprungsland in den ärmeren Randgebieten entwickelt hat.