June 2007
Monthly Archive
Sat 30 Jun 2007
Die Fahrt von Popayan nach San Agustin (etwa 120 km) dauert aufgrund der schlechten Straße immer mindestens fünf, bei uns waren es dann aber über acht Stunden! Das lag u.a. am schier ununterbrochenen Regen, an Reifenpannen, Erdrutschen und Straßenbauarbeiten (ey ey ey).

Trotzdem kämpften wir uns dann noch kurz vor Einbruch tiefer Dunkelheit ein paar hundert Meter von San Agustin entfernt in unseren inadäquaten Halbschühchen den schlammig glitschigen Pfad zur Finca Renes - El Maco - bergauf. Der empfing uns auch herzlich mit von Paloma zubereiteten Spaghetti und dabei lernten wir sogar noch gleich sein frischgeborenes Töchterlein kennen.
Nach einer Nacht mit abgefahrenen Träumen (es lag sicher nicht nur an der Katze im Bett) gings am nächsten Tag bei Nieselregen in den Archäologischen Park, wo wir schnell steinerne Freunde fanden.


Bis heute gibt es viele Theorien aber wenige Fakten über die rätselhafte Hochkultur von San Agustin, die von 3.300 v.Chr. bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jahrhundert in der Region lebte und dort ihre Spuren hinterlassen haben, vor allem in Form von Steingräbern und beeindruckenden menschlichen und tierischen Steinfiguren.

Interessant ist, dass viele Eigenschaften der dargestellten Tiere und Menschen von anderen Erdkreisen wie Afrika oder Asien beeinflusst scheinen, so die Schlitzaugen oder die breiten Nasen. Es könnte sein, dass San Agustin Handelsbeziehungen zu weit entfernten Regionen pflegte, es könnte auch sein, dass die Schamanen von San Agustin, die Impressionen von ihren transzendentale Reisen mitbrachten. Wer weiß, wer weiß …
Sat 30 Jun 2007
Unsere zweite Station war Coconuco, mit 2.500 m etwas höher gelegen und auch kälter als Popayan. Trotzdem waren wir zum Baden dort, denn es gibt dort heiße Quellen.

Da es nur eine dreiviertel Stunde von Popayan entfernt ist und man dort direkt zelten kann, besuchen am Wochenende zahlreiche Menschen die Anlage Agua Tibias mit mehreren Becken, Wasserrutsche und Wiesenflächen zum Entspannen.

Auch wir haben es uns im warmen Wasser gemütlich gemacht.

Wie schon erwähnt gibt es auch eine Wasserrutsche (ob die beim TÜV durchgehen würde? Ey ey ey …), die ich dann auch mal in Wahnsinnsgeschwindigkeit auf einem Fußabtreter mit einem ebenfalls todesmutigen Kumpanen im Zweierbob runtergerutscht bin (hao hao).

Zur Abwechslung gab es im Anschluss eine einfühlsame Wasserballett-Vorstellung vom Schwanensee von Onkel Fernando.

Einen neuen Modetrend haben wir auch ausmachen können. Die ohnehin schon knappe Badehose einfach noch in die Arschfalte hochziehen … übrigens könnt ihr euch freuen, dass ich den Buben nicht von vorne fotografiert habe (grrr, Spitzname wörtlich - fall-out-boy … oink).

Als der Mond dann so langsam über den Hügeln aufging, wars Zeit, uns auf den Heimweg zu machen.

Sat 30 Jun 2007
Nach ungefähr zehn Stunden Busfahrt kamen wir morgens aus Medellin in Popayan an, das sollte die erste Station unseres kleinen Mini-Urlaubs werden. Diana hat dort eine Oma und - ich glaube sie weiß das selbst nicht so genau - ungefähr 42.000 Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen.

Popayan - die weiße Stadt - liegt im Süden Kolumbiens in einem Tal zwischen der West- und der Zentralkordillere auf etwa 1.700 m und erinnert mit seinen weiß gestrichenen Häuschen mit Ziegeldächern an andere Städte im Kolonialstil wie Arequipa oder Cuzco. Hier der Blick vom Hügel Morro del Tulcán über den historischen Stadtkern, der nach einem schweren Erdbeben 1983 wieder aufgebaut wurde.

Unsere erste Aktion war der Besuch eines typischen Restaurants mit dem Onkel Fernando und einem der vielen Cousins, bei dem wir Tamales (Maismasse gemixt mit Fleisch in Bananenblatt), Empanadas (gefüllte Teigtaschen), Champús (dickflüssiges Getränk mit Mais und verschiedenen Früchten), Fleisch in Mandarinensoße und jede Menge anderer Leckereien in uns reinstopften.

Anderthalb Stunden später (und jeder etwa drei Kilo schwerer) kugelten wir aus dem Restaurant und spazierten dann ein wenig durch die netten Gassen und auf den Hügel der Stadt, von dem aus Belalcázar, der Gründer Popayans, Quitos und Calis, über die Stadt wacht.

Übernachten konnten wir im kleinen Häuschen der Oma - Alternativen standen eigentlich nicht zur Debatte, zu groß die Gefahr, die Oma zu kränken.

Die Oma war zunächst ziemlich misstrauisch gegenüber dem Blondschopf, den ihre Diana da mitgebracht hatte. Als wir dann aber die wichtigsten Fragen geklärt hatten, wie etwa die, ob ich in Deutschland schon verheiratet wäre (*hüstl*), war sie etwas beruhigter
…
Sat 16 Jun 2007
Spät am Samstag nachmittag (trödel trödel) machten wir uns auf den Weg nach Jardin. Das ist ein malerisches Pueblito (Dörfchen) gut drei Stunden südlich von Medellin, inmitten von grünen Hügeln und Kaffeeplantagen, in das auch die Kolumbianer gerne mal zum Ausspannen kommen.

Nachdem ich am Abend noch meine Tanzkünste zu Salsa, Merengue und Vallenato in einer der Diskos am Hauptplatz unter Beweis gestellt hatte, fing der nächste Tag mit einem typischen “desayuno casero” (”Hausmannsfrühstück”) in einem der vielen Restaurants am Marktplatz an, bestehend aus Arepa, einem Mais-/Getreidefladen (das erste Mal, dass ich Arepa “oookeeey” fand), Butter, Spiegelei, einem erfreulicherweise geschmacklosen Käse und lecker Saft (das ist halt fast immer lecker hier).

Die Gegend ist berühmt für ihre leckeren Forellen. Auf einem Spaziergang im Umland schauten wir uns dann auch eine Forellenzucht an, mit mehreren Becken und Truchas (Forellen) in allen Größen, die kleinsten Truchitas im Zentimeterbereich.

Leider hatten wir ja erst gefrühstückt, so dass wir die Forellen nicht probiert haben. Dafür waren wir noch ein bissl in der Gegend unterwegs und nachdem wir dann - zurück im Dörfchen - mal wieder bei einem großen Eis ein Weilchen mit Dianas Freunden aus alten Zeiten geschnackt hatten, mussten wir auch schon wieder los … zurück nach Medellin.

Sat 2 Jun 2007
Wer beim Gedanken an kolumbianische Musik nur Salsa, Vallenato oder Latin-Rock im Ohr hat, der überhört ein paar Aspekte der vielfältigen Musikkultur dieses Landes. Ich habe die letzten Tage einen kleinen Einblick in zwei Bereiche bekommen, die ich zuvor nicht direkt mit Kolumbien in Verbindung gebracht hätte.
Am Donnerstag war ich mit Freunden bei einem Konzert in Medellin in einem alten Theater - Vorband war Siete, Hauptact Choc Quib Town.
Siete hat mich mit zum Teil scheinbar improvisiertem Experimental-Rock mit deutlichen Anklängen an Portishead oder Radiohead überrascht und teilweise etwas “überfordert”, da ich z.T. das Gefühlt hatte, dass bestimmte Noten, Akkorde und Harmonien nur deswegen nicht verwendet wurden, weil sie zu “konservativ” gewesen wären.

Choc Quib Town waren dann aber eine umfassend positive Überraschung - sehr feiner Hip-Hop aus dem Chocó, eine Region am Pazifik, die hauptsächlich von den Nachfahren der afrikanischen Sklaven besiedelt ist und sowohl zu den von der Natur her artenreichsten der Welt als auch zu den sozial ärmsten in Kolumbien zählt. Während bei Siete die Zuhörer noch still in ihren Theatersesseln saßen, war es bei Choc Quib Town von den ersten fetten Beats an kaum möglich, ruhig im Stuhl sitzen zu bleiben. Sänger und Sängerin - beide charismatisch - hatten es so auch bereits beim zweiten Lied geschafft, dass die meisten Leute direkt vor der Bühne tanzten.

Dass der Hip-Hop die Menschen nicht nur musikalisch begeistert, hat dann einen Tag später ein kostenloses Konzert auf einem Sportplatz in der Comuna 13 - San Javier - gezeigt, auf dem mehrere Rap- und Hip-Hop-Bands aufgetreten sind, als Höhepunkt wiederum Choc Quib Town. San Javier ist ein ärmerer Stadtteil und mein Eindruck war, dass viele der Jugendlichen sich mehr noch als mit der Musik mit der Hip-Hop-Kultur identifizieren konnten, die sich ja auch in ihrem Ursprungsland in den ärmeren Randgebieten entwickelt hat.