Die Kolumbianer - zumindest die aus Bogota und Medellin - können von bunt blinkendem Weihnachtsschmuck nicht genug kriegen. Jeder scheint seinen Nachbarn mit den Lichtern in seinem Fenster übertreffen zu wollen. Seit dem 7. Dezember glitzert, funkelt und strahlt Medellin noch mehr als zuvor. Insgesamt mehr als 12 Millionen Glühbirnchen wurden in mehreren Schichten über und am Rio Medellin installiert - das Resultat ein sich über Kilometer hinziehender Lichterwurm.
Aber die Lichter erzählen auch Geschichten, etwa die von den drei Weisen aus dem Morgenland, die sich mit Kamelen zum Christkindlein aufmachen.
Das Spektakel ist ein Ereignis für die ganze Familie. Die leuchtenden Figuren befinden sich nämlich nicht nur auf dem Fluss, sondern auch am Ufer - also zum Anfassen für die Kleinen (wie mich) - sogar eine bunt strahlende Ritterburg kann man erklettern.
Riesige Menschenmassen wälzen sich täglich am Flussufer entlang, um das Lichtermeer zu bewundern. Und weil das Spektakel in Kolumbien seit vielen Jahren so erfolgreich ist, bleiben natürlich auch Nachmacher nicht fern. Die Figuren der letzten Jahre wurden unter anderem nach Japan exportiert.
Um ihr leibliches Wohl müssen sich die Besucher hier natürlich auch keine Sorgen machen. Perrito, also Hot Dog (*hmm-ok*), Chicharron (*urg*), Schweinsohren (*uuuurg*) - oder was auch immer das (Kolumbianer-)Herz begehrt - gibt es in der Fressmeile, über die sich nahezu ebenso viele Menschen quetschen, wie über den Uferweg, aber so eine visuelle Überstimulierung macht halt auch hungrig…
An meinem letzten Wochenende in Kolumbien habe ich mit Philipp noch Santa Fe de Antioquia besucht, ein kleiner lebhafter Ort mit angenehm sommerlichem Klima anderthalb Stunden (80 km) nördlich von Medellin entfernt. Die Paisas steuern das Städchen gern als Ausflugsziel an, vor allem dann, wenn wieder mal Puente (langes Wochenende) ist.
Wir kamen gegen Abend an, so dass wir uns zunächst auf die Suche nach einem adäquaten Hostal machten. Wir fanden ein Zimmer - prunkvoll und geräumig (*hüstl*), aber im Ernst, wer braucht schon Zimmer, die größer als 6 Quadratmeter sind?!
Beim ersten Umherschlendern wurde schon klar, dass sich das Leben hier vor allem auf dem Hauptplatz an der Kathedrale abspielt, hier stehen Essens- und Schmuckstände, hier befinden sich Restaurants und Bars und hier war auch schon eine Bühne aufgebaut.
Auf der Bühne gab es zunächst Live-Musik. Ihr glaubt es sicher nicht … da wurde Lemon-Tree (das Lied von diesen deutschen Wie-auch-immers aus Pforzheim) gecovert. Wahnsinn … und dafür bin ich also nach Kolumbien gekommen?! Danach verwandelte sich die Stage - zur Begeisterung der Menschen - in einen Laufsteg, auf dem ein paar Models die Sommerkollektion von wem auch immer vorstellten.
Das zweite Zentrum bildete an diesem Abend der Platz an der Kirche La Chinca, an dem eine Leinwand fürs Openair-Kino aufgebaut war und “arty” Filme liefen. In der ersten Szene, die wir sahen als wir den Platz erreichten, erkannte Philipp sogleich Hitler (der Film war eine Art Parodie). Auch diese zweite Erinnerung an unsere deutsche Heimat hat uns nicht mit Stolz erfüllt, aber glücklicherweise bliebs dann auch bei diesen beiden.
Die Nacht begann mit Bier und endete mit Regen. Am nächsten Tag konnten wir aber nochmal Sonne tanken - ich hab vollgetankt für die kommenden Monate in Deutschland.
Ein Geheimtipp ist die Region und der Fels sicher nicht mehr, was jeder unschwer an den vielen Markt-/Trödel-/Essesständen erkennen kann.
Am Ziel angekommen (eine kleine Militärkontrolle mit Hände an Bus und Abtastung hatten wir unterwegs über uns ergehen lassen) erklommen wir also zunächst den mysteriösen Felsen, indem wir mit durchtrainierter Lockerheit die 649 Stufen hochsprinteten (*ächz*).
Oben hat man dann tatsächlich einen eindrucksvollen Ausblick über den Stausee. Unzählige Mücken schienen auch angetan zu sein von der Aussicht … die Mistviecher. Auf der Aussichtsplattform trafen wir Adrian aus Leticia und Diana aus Medellin, die in fachkundiger Manier die Reiseleitung übernahm.
Nach unserem Abstieg wollten wir natürlich die bedeutende Stadt noch sehen und außerdem machte sich langsam ein Hungergefühlcito breit, nach einem 2-Brownies-Frühstück kein Wunder. Vom Peñón in die Stadt kamen wir so sicher und warm (Handschuhe und Schal auf dem Foto waren - glaube ich - nur aus Solidarität für die Deutschen im kalten Deutschland) wie in Adams Schoß auf der Ladefläche eines was auch immer.
Und nach dem Essen (es war kurz nach 6 Uhr) haben wir grade noch so ein paar Plätze in einem der letzten Busse ergattern können, wobei wir uns mit den richtigen Sitzplätzen abwechseln mussten, denn es hatte nur noch drei. Naja … vorne beim Fahrer mit Blick in den Busmittelgang und dem Rücken zur Windschutzscheibe sitzt sichs ja auch ok … und es waren ja nur zwei Stunden.
Damit jetzt nicht der Eindruck aufkommt, ich würde während meines Aufenthalts in Kolumbien nicht arbeiten, hier noch ein Foto von meinem Arbeitsplatz im Büro in Medellin.
Gleich am Eingang wurden wir von ein paar kräftigen Cowboys auf böse Gegenstände gefilzt bevor wir von einem der zahlreichen herumflitzenden Lilliputaner unser Willkommens-Cerveza in die Hand gedrückt bekamen. Die Discothek ist im Western-Style eingerichtet: Saloon-Schilder, Lassos, Wagenräder, Stierskelettschädel, Jagdtrophäen, Billy-the-Kid-Wanted-Steckbriefe, ganz viel Holz (*hust*) und die Wasserhähne im Klo sind keine Hähne, sondern Kuhköpfe (=> Wasserkühe).
Es ist rauchig, die Musik ist laut und von Country-Musik weit entfernt: Latino-Musik wechselt sich mit Trance, Rock’n'Roll und verschiedenen anderen Richtungen ab.
Die Menschen tanzen überall - ganz egal ob auf Tanzflächen oder zwischen Stühlen und auf den vielen verstreuten Bühnen zeigen ein paar professionelle durchtrainierte Chicos und Chicas wie das ausschaut, wenn man ein bissl mehr übt (ach ja, Andre, wir wollten doch heute noch ins Fitness-Studio, oder?). Ab und zu spielt sich was auf den Bühnen ab wie etwa ein Ringkampf unter Lilliputanern (Bild).
Der Laden ist übrigens so geil, dass hier auch Osama und Chavez ein- und ausgehen (Bilder: Osama beim Tanz auf der Bar und Chavez beim Tanzen mit seinen Freunden aus Lilliput).
Trübsal hielt sich bei uns - wie aus den nächsten Bildern ersichtlich wird - in Grenzen.
Philipp und Andre.
Stefan und das Cowgirl.
Weniger spektakulär bis stellenweise sogar vöööllig uninteressant im Gegensatz zum bisher Beschriebenen (und bestüüümmt kein ausschlaggebender Grund für den nochmaligen Besuch) ist für mich das, was ich im Folgenden ohne viel Worte in Bildern dokumentiere.
Hmm…
No loaded firearms, bitte.
Und weil ihr es euch mit Hilfe eines Bewegtbilds besser vorstellen könnt, noch folgenden kleinen Clip.
Zu Ende war unser Mangos-Besuch irgendwann in der Früh. Beim Rausgehen bekamen wir von einem Cowgirl noch eine heiße Suppe … lecker und weise in Bezug auf den nächsten Morgen. Nun ja, nachdem ich es nun kennengelernt habe, gebe ich dem Mangos eine solide 8,2.