December 2006


Die Kolumbianer - zumindest die aus Bogota und Medellin - können von bunt blinkendem Weihnachtsschmuck nicht genug kriegen. Jeder scheint seinen Nachbarn mit den Lichtern in seinem Fenster übertreffen zu wollen. Seit dem 7. Dezember glitzert, funkelt und strahlt Medellin noch mehr als zuvor. Insgesamt mehr als 12 Millionen Glühbirnchen wurden in mehreren Schichten über und am Rio Medellin installiert - das Resultat ein sich über Kilometer hinziehender Lichterwurm.

Lichterfest in Medellin

Aber die Lichter erzählen auch Geschichten, etwa die von den drei Weisen aus dem Morgenland, die sich mit Kamelen zum Christkindlein aufmachen.

Lichterfest in Medellin - die drei Weisen aus dem Morgenland

Das Spektakel ist ein Ereignis für die ganze Familie. Die leuchtenden Figuren befinden sich nämlich nicht nur auf dem Fluss, sondern auch am Ufer - also zum Anfassen für die Kleinen (wie mich) - sogar eine bunt strahlende Ritterburg kann man erklettern.

Lichterfest in Medellin - Figuren zum Anfassen

Riesige Menschenmassen wälzen sich täglich am Flussufer entlang, um das Lichtermeer zu bewundern. Und weil das Spektakel in Kolumbien seit vielen Jahren so erfolgreich ist, bleiben natürlich auch Nachmacher nicht fern. Die Figuren der letzten Jahre wurden unter anderem nach Japan exportiert.

Lichterfest in Medellin - die Menschenmassen

Um ihr leibliches Wohl müssen sich die Besucher hier natürlich auch keine Sorgen machen. Perrito, also Hot Dog (*hmm-ok*), Chicharron (*urg*), Schweinsohren (*uuuurg*) - oder was auch immer das (Kolumbianer-)Herz begehrt - gibt es in der Fressmeile, über die sich nahezu ebenso viele Menschen quetschen, wie über den Uferweg, aber so eine visuelle Überstimulierung macht halt auch hungrig…

Lichterfest in Medellin - die Fressmeile

An meinem letzten Wochenende in Kolumbien habe ich mit Philipp noch Santa Fe de Antioquia besucht, ein kleiner lebhafter Ort mit angenehm sommerlichem Klima anderthalb Stunden (80 km) nördlich von Medellin entfernt. Die Paisas steuern das Städchen gern als Ausflugsziel an, vor allem dann, wenn wieder mal Puente (langes Wochenende) ist.

Hauptplatz und Kathedrale

Wir kamen gegen Abend an, so dass wir uns zunächst auf die Suche nach einem adäquaten Hostal machten. Wir fanden ein Zimmer - prunkvoll und geräumig (*hüstl*), aber im Ernst, wer braucht schon Zimmer, die größer als 6 Quadratmeter sind?!

Unsere Unterkunft

Beim ersten Umherschlendern wurde schon klar, dass sich das Leben hier vor allem auf dem Hauptplatz an der Kathedrale abspielt, hier stehen Essens- und Schmuckstände, hier befinden sich Restaurants und Bars und hier war auch schon eine Bühne aufgebaut.

Santa Fe de Antioquia Hauptplatz

Auf der Bühne gab es zunächst Live-Musik. Ihr glaubt es sicher nicht … da wurde Lemon-Tree (das Lied von diesen deutschen Wie-auch-immers aus Pforzheim) gecovert. Wahnsinn … und dafür bin ich also nach Kolumbien gekommen?! Danach verwandelte sich die Stage - zur Begeisterung der Menschen - in einen Laufsteg, auf dem ein paar Models die Sommerkollektion von wem auch immer vorstellten.

Modeschau in Santa Fe de Antioquia

Das zweite Zentrum bildete an diesem Abend der Platz an der Kirche La Chinca, an dem eine Leinwand fürs Openair-Kino aufgebaut war und “arty” Filme liefen. In der ersten Szene, die wir sahen als wir den Platz erreichten, erkannte Philipp sogleich Hitler (der Film war eine Art Parodie). Auch diese zweite Erinnerung an unsere deutsche Heimat hat uns nicht mit Stolz erfüllt, aber glücklicherweise bliebs dann auch bei diesen beiden.

Openair-Kino

Die Nacht begann mit Bier und endete mit Regen. Am nächsten Tag konnten wir aber nochmal Sonne tanken - ich hab vollgetankt für die kommenden Monate in Deutschland.

Am Hauptplatz in Santa Fe de Antioquia

Heute sind wir - weil selbst wir am Sonntag manchmal nicht arbeiten - nach Guatapé rausgefahren. Die Stadt liegt etwa 70 km von Medellin entfernt in der Zona Oriente (wie Medellin noch im Departamento Antioquia) auf etwa 2000 m Höhe, im öffentlichen Bus waren wir etwa zwei Stunden unterwegs.

Blick vom Piedra de el Peñol

Touristisch attraktiv ist die Region aufgrund des Stausees, der durch die vielen Inselchen malerisch ausschaut, und aufgrund des Peñón de Guatapé, eines mysteriösen Riesenfelsen, von dem einige sagen, er sei meteorischen Ursprungs (Erich von Däniken würde sicher sagen, dass der Fels Außerirdischen aus dem Spaceship geplumst ist).

Peñón de Guatapé

Ein Geheimtipp ist die Region und der Fels sicher nicht mehr, was jeder unschwer an den vielen Markt-/Trödel-/Essesständen erkennen kann.

Parkplatz an Peñón de Guatapé

Am Ziel angekommen (eine kleine Militärkontrolle mit Hände an Bus und Abtastung hatten wir unterwegs über uns ergehen lassen) erklommen wir also zunächst den mysteriösen Felsen, indem wir mit durchtrainierter Lockerheit die 649 Stufen hochsprinteten (*ächz*).

Aufstieg auf den Peñón de Guatapé

Oben hat man dann tatsächlich einen eindrucksvollen Ausblick über den Stausee. Unzählige Mücken schienen auch angetan zu sein von der Aussicht … die Mistviecher. Auf der Aussichtsplattform trafen wir Adrian aus Leticia und Diana aus Medellin, die in fachkundiger Manier die Reiseleitung übernahm.

Blick vom Peñón de Guatapé

Nach unserem Abstieg wollten wir natürlich die bedeutende Stadt noch sehen und außerdem machte sich langsam ein Hungergefühlcito breit, nach einem 2-Brownies-Frühstück kein Wunder. Vom Peñón in die Stadt kamen wir so sicher und warm (Handschuhe und Schal auf dem Foto waren - glaube ich - nur aus Solidarität für die Deutschen im kalten Deutschland) wie in Adams Schoß auf der Ladefläche eines was auch immer.

Fahrt nach Guatapé

Guatapé selbst - oder das was wir davon gesehen haben - war dann nicht so pralle, aber nett.

Guatapé

Und nach dem Essen (es war kurz nach 6 Uhr) haben wir grade noch so ein paar Plätze in einem der letzten Busse ergattern können, wobei wir uns mit den richtigen Sitzplätzen abwechseln mussten, denn es hatte nur noch drei. Naja … vorne beim Fahrer mit Blick in den Busmittelgang und dem Rücken zur Windschutzscheibe sitzt sichs ja auch ok … und es waren ja nur zwei Stunden.

Damit jetzt nicht der Eindruck aufkommt, ich würde während meines Aufenthalts in Kolumbien nicht arbeiten, hier noch ein Foto von meinem Arbeitsplatz im Büro in Medellin.

Arbeiten in Medellin

Nachdem mir André schon vorgeschwärmt und der Discothek Mangos (man höre und staune) eine glatte 10 auf der 1-10-Skala (alias IMDB-Skala) gegeben hatte, war ich gestern dann auch sehr gespannt.

Gleich am Eingang wurden wir von ein paar kräftigen Cowboys auf böse Gegenstände gefilzt bevor wir von einem der zahlreichen herumflitzenden Lilliputaner unser Willkommens-Cerveza in die Hand gedrückt bekamen. Die Discothek ist im Western-Style eingerichtet: Saloon-Schilder, Lassos, Wagenräder, Stierskelettschädel, Jagdtrophäen, Billy-the-Kid-Wanted-Steckbriefe, ganz viel Holz (*hust*) und die Wasserhähne im Klo sind keine Hähne, sondern Kuhköpfe (=> Wasserkühe).

Bühne im Mangos beim Kampf der Lilliputaner

Es ist rauchig, die Musik ist laut und von Country-Musik weit entfernt: Latino-Musik wechselt sich mit Trance, Rock’n'Roll und verschiedenen anderen Richtungen ab.

Die Menschen tanzen überall - ganz egal ob auf Tanzflächen oder zwischen Stühlen und auf den vielen verstreuten Bühnen zeigen ein paar professionelle durchtrainierte Chicos und Chicas wie das ausschaut, wenn man ein bissl mehr übt (ach ja, Andre, wir wollten doch heute noch ins Fitness-Studio, oder?). Ab und zu spielt sich was auf den Bühnen ab wie etwa ein Ringkampf unter Lilliputanern (Bild).

Osama im Mangos

Der Laden ist übrigens so geil, dass hier auch Osama und Chavez ein- und ausgehen (Bilder: Osama beim Tanz auf der Bar und Chavez beim Tanzen mit seinen Freunden aus Lilliput).

Tanz der Lilliputaner unter Aufsicht von Chavez

Trübsal hielt sich bei uns - wie aus den nächsten Bildern ersichtlich wird - in Grenzen.

Andre und Philipp

Philipp und Andre.

Stefan und ein Cowgirl

Stefan und das Cowgirl.

Weniger spektakulär bis stellenweise sogar vöööllig uninteressant im Gegensatz zum bisher Beschriebenen (und bestüüümmt kein ausschlaggebender Grund für den nochmaligen Besuch) ist für mich das, was ich im Folgenden ohne viel Worte in Bildern dokumentiere.

Andre und Philipp beim Genießen der Tanz-Chicas

Hmm…

Tänzerin im Mangos

No loaded firearms, bitte.

Und weil ihr es euch mit Hilfe eines Bewegtbilds besser vorstellen könnt, noch folgenden kleinen Clip.

Zu Ende war unser Mangos-Besuch irgendwann in der Früh. Beim Rausgehen bekamen wir von einem Cowgirl noch eine heiße Suppe … lecker und weise in Bezug auf den nächsten Morgen. Nun ja, nachdem ich es nun kennengelernt habe, gebe ich dem Mangos eine solide 8,2.