Der (von mir unvorbildlich über einen Kamm gescherte, “gemeine”) Kolumbianer (im Prinzip sogar noch genereller - der Südamerikaner) - für den haben Verkehrsschilder, Ampeln, durchgezogene Linien und solch urdeutsches Pillipalli keine Bedeutung; zumindest nicht die, die wir erwarten würden. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden als Richtwerte interpretiert, bei roten Ampeln kommt für einen kurzen Moment der Fuß vom Gas und der Kopf wird aufmerksam Ausschau haltend vorgereckt und doppelt durchgezogene Linien … naja … die geben einen guten Anhaltspunkt beim Ermitteln der Ideallinie in der Kurve.

Wie dem auch sei - Verkehrsregeln werden durch erhöhte Aufmerksamkeit ersetzt und das klappt erstaunlicherweise gut! Schwach besaitete Menschlein sollten sich allerdings bei kurvigen Bergpässen möglichst mit geschlossenen Augen auf den hinteren Plätzen über die Zeit retten, denn bei Überholmanövern in der Kurve vor einer Kuppe kann man den Busfahrern einen gewissen Wagemut nicht absprechen. Da der Busfahrer aber wahre Herausforderung liebt, gibts noch einen kleinen Handy-Plausch nebenher.

Damit jeder Fahrgast auch konkret fassbare Infos zum Fahrverhalten des Busfahrers erhält, wird die aktuelle Geschwindigkeit übrigens meistens auch für alle sichtbar auf einem kleinen Display angezeigt. Einmal habe ich sogar ein Hinweisschild gelesen, auf dem stand, man solle sich an die Busgesellschaft wenden, sofern der Busfahrer die Höchstgeschwindigkeit überschreiten sollte. Wenn ich allerdings den “gemeinen” Kolumbianer richtig einschätze, dann würde er das ohnehin nicht tun, das wäre dann eher wieder eine Eigenschaft des “gemeinen” Deutschen …

Bus fahren in Kolumbien